Für besseres Miteinander: Polizisten lernen Umgang mit Menschen aus Afrika

München - Mitunter wegen banaler Missverständnisse geraten Polizeieinsätze aus dem Ruder. Mit einer interkulturellen Schulung will die Bereitschaftspolizei künftigen Beamten die Perspektive von Migranten aus Afrika vermitteln und auf diese Weise darüber hinaus noch helfen, gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Mit Schulungen will die Polizei in Bayern bei ihren Polizeianwärtern das Verständnis für Migranten aus Afrika fördern. (Symbolbild)  © Armin Weigel/dpa

Mit interaktiven Schulungen will die Polizei in Bayern bei ihren Polizeianwärtern das Verständnis für Migranten aus Afrika fördern.

Bei einem "Tag der Interkulturellen Kompetenz" in Zusammenarbeit mit dem Afrikazentrum der Universität Würzburg kommen die angehenden Beamten der bayerischen Bereitschaftspolizei in Rollenspielen und Diskussionen mit Flüchtlingen und Studierenden aus Afrika zusammen, um mit ihnen über gegenseitige Vorbehalte zu sprechen und Stereotypen über den Kontinent zu hinterfragen.

Polizeieinsätze liefen mitunter aus kulturellen Missverständnissen heraus nicht zufriedenstellend ab, sagte der Leiter der Aus- und Fortbildung im Präsidium der Bereitschaftspolizei, Gerd Enkling.

Soziale und interkulturelle Kompetenzen würden für angehende Polizisten wichtiger. Das Seminar helfe den angehenden Beamten, sich in das "polizeiliche Gegenüber" hineinzuversetzen.

"In vielen afrikanischen Ländern herrscht ein Polizeibild vor, in dem die Ordnungshüter als korrupt, brutal und unberechenbar wahrgenommen werden", sagte Enkling.

Dass sich entsprechende Migranten daher auch vor Polizisten in Deutschland in Acht nehmen, sei aus ihrer Perspektive verständlich - mache sie aber aus Sicht der deutschen Polizei verdächtig.

Vorurteile sind ein großes Problem

Künftige Polizisten sollen entsprechend ausgebildet werden. (Symbolbild)  © Lino Mirgeler/dpa

Doch Vorurteile gibt es demzufolge auch auf der anderen Seite: Eines laute, Migranten seien grundsätzlich gewaltbereiter als Deutsche. Das treffe nicht zu, sagte der Leiter der dritten Bereitschaftspolizeiabteilung, Thomas Bauer. "Viele sind vor Gewalt geflohen, weil sie das nicht mehr wollten", führte er in diesem Kontext weiter aus.

Literaturwissenschaftler Julien Bobineau vom Afrikazentrum der Universität Würzburg sagte: "Mit dem Seminar wollen wir den angehenden Polizeibeamten ein differenziertes und vielfältiges Bild von Afrika zeigen. Gleichzeitig soll deutlich werden, wo Vorurteile herkommen und wie sie überwunden werden können."

Viele Beamtenanwärter hätten in dem Seminar ein entsprechendes "Aha"-Erlebnis gehabt, als ihnen afrikanische Teilnehmer von ihrer Angst beim Kontakt mit Polizeibeamten berichteten und dass sie das Gefühl hätten, unverhältnismäßig häufig von der Polizei kontrolliert zu werden.

"Wir begegnen Migranten meist erst, wenn es Probleme gibt", sagte Polizeianwärter Jonas Braune. "Zu hören, was sie auf der Flucht erlebt und auf sich genommen haben, hilft, Verständnis aufzubauen."

Ein Forschungsschwerpunkt Bobineaus ist nach seinen Worten der heute noch nachwirkende Kolonialrassismus, der sich mitunter in einem "Racial Profiling" von Sicherheitsbehörden zeige.

Der Begriff bezeichnet das Verhalten, Menschen allein wegen ihrer äußerlichen Merkmale und nicht anhand konkreter Verdachtsmomente als verdächtig einzustufen und zu kontrollieren.

Mit einer interkulturellen Schulung will die Bereitschaftspolizei künftigen Beamten die Perspektive von Migranten aus Afrika vermitteln. (Symbolbild)  © Andreas Gebert/dpa

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