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Exklusive Dokumente: So kam es wirklich zum Nazi-Skandal beim CFC

Insolvenzverwalter Klaus Siemon hält an Nötigungs-Vorwurf fest.

Wurde der CFC zur Gedenkfeier genötigt oder nicht? Insolvenzverwalter Klaus Siemon hält an der Darstellung fest. Doch nun ist ein Whats-App-Chat aufgetaucht.

Chemnitz - Wurde der Chemnitzer FC am Sonnabend tatsächlich dazu genötigt dem toten HooNaRa-Gründer Thomas Haller zum Heimspiel gegen die VSG Altglienicke zu kondolieren? Insolvenzverwalter Klaus Siemon beharrt auf dieser Darstellung und begründete sie am Montag damit, dass "nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter massive Ausschreitungen drohten".

Insolvenzverwalter Klaus Siemon, der zum Zeitpunkt des Spiels in Köln war, hält weiter daran fest, dass der CFC zu der Trauerbekundung genötigt wurde.

"Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist. In der Sache ist damit ein schwerer Landfriedensbruch gemäß Paragraph 125 StGB angedroht worden, was für die Verantwortlichen des CFC nicht hinnehmbar ist", so Siemon weiter.

TAG24 liegen jedoch interne Vereinsdokumente vor, die dieser Darstellung deutlich widersprechen und den ganzen Vorgang in ein anders Licht rücken! Konkret handelt es sich dabei um einen WhatsApp-Chatverlauf, der den Umgang mit dem Haller-Gedenken thematisiert.

Gegründet wurde die Gruppe am Vorabend des Altglienicke-Spiels von Spieltagsleiter Thomas Uhlig, gleichzeitig Vorstandsmitglied des Chemnitzer FC e.V. und kaufmännischer Geschäftsführer der CFC GmbH. Gesprächsteilnehmer unter anderem, der Sicherheitsbeauftragte, die Fanbeauftragte, der Vereinssprecher und der Leiter der Marketingabteilung.

Was steht in dem Whats-App-Chat?

Geschäftsführer und Spieltagsleiter Thomas Uhlig hatte die WhatsApp-Gruppe gegründet. Uhlig trat noch am Wochenende zurück.

Ausgangspunkt war ein an Uhlig herangetragenes Anliegen zum Haller-Tod, verbunden mit dem Abspielen des Titels "Now we are free" aus dem Hollywood-Film "Gladiator" und dem Zeigen eines Trauerfotos auf der Videoleinwand. Von Nötigung oder Erpressung ist keine Rede - auch im späteren Verlauf nicht.

Seitens der Fanbeauftragten hieß es hierzu: "Er (Haller) war ein zuverlässiger Dienstleister, Fan und Freund. Aber eben auch deutschlandweit als Gründer von Hoonara bekannt."

Der Sicherheitsbeauftragte hatte bezüglich einer öffentlichen Trauerbekundung im Rahmen des CFC-Regionalligaspiels weniger Bauchschmerzen: "Ich bin dafür. Wir finden eine Lösung für die Außendarstellung. Hoonara ist 20 Jahre her. Er hat sich seitdem mehr als stark gemacht für den Verein."

Vereinssprecher hatte Bedenken

Peggy Schellenberger war Fanbeauftragte beim CFC und wurde im Rahmen des Skandals entlassen.

Etwaige negative Einflüsse auf den CFC spielten zu diesem Zeitpunkt keine Rolle. "Wir müssen gut abgestimmt auf Medien-Anfragen reagieren... Aber Thommy hat das jetzt mehr als verdient!!!", fand die Fanbeauftragte.

Die erste kritische Stimme überhaupt äußerte laut Chatprotokoll der Vereinssprecher Steffen Wunderlich: "Ich kannte diesen Mann nicht persönlich. Das was ich aber heute gehört bzw. gelesen habe, widerspricht alldem, wofür wir am Dienstag mit der Mannschaft auf die Straße gegangen sind." Gemeint ist die Teilnahme des CFC am Chemnitzer Friedenstag, Dienstag, 5. März. Sein Einwand fand beim Verein kaum Berücksichtigung.

Und obwohl auch dem verantwortlichen Spieltagsleiter nicht ganz wohl bei der Sache war, er einen "Ritt auf der Rasierklinge" befürchtete, wurde zu keinem Zeitpunkt eine Absprache mit dem Insolvenzverwalter Siemon oder den Polizeibehörden in Erwägung gezogen. Dazu der Sicherheitsbeauftragte: "Ich würde jetzt zu den Ultras und Co. fahren und klären, dass es die einzige Aktion an diesem Spieltag bleibt. Wir können dies steuern."

Was folgte war die Absegnung des Trauertextes und der Ablaufplanung, die letztlich vom Stadionsprecher durchgeführt werden musste. Und damit nahm das Unheil seinen Lauf.

Mit einer aufwändigen Choreografie gedachte die Südkurve dem verstorbenen Thomas Haller.

Fotos: Picture Point, Harry Härtel/Haertelpress