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Sofort suspendiert: Justizbeamter veröffentlichte Chemnitzer Haftbefehl!

Daniel Z. aus Dresden gesteht, dass er den Haftbefehl gegen die Tatverdächtigen aus Chemnitz veröffentlicht hat

Ein Dresdner Justizbeamter hat gestanden, dass er den Haftbefehl gegen die Tatverdächtigen aus Chemnitz veröffentlicht hat.

Dresden/Chemnitz - Wendung im Fall des veröffentlichten Haftbefehls gegen die Tatverdächtigen aus Chemnitz. Ein Dresdner (39) hatte gestanden, dass er derjenige sei, der die Unterlagen ins Internet stellte.

Die Stelle, an dem Daniel H. getötet wurde, ist mit Blumen und Gedenkkerzen übersät.

Gegen den Justizbeamten Daniel Z. wurde bereits ermittelt. Der Druck scheint dazu geführt zu haben, dass er gesteht.

BILD zitiert ihn mit: "Ich wollte, dass die Wahrheit und nur die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit kommt."

Nachdem ein 35-Jähriger in Chemnitz ermordet wurde, nahm die Polizei die beiden Tatverdächtigen Alaa S. (23) und Yousif (22) fest. Gegen sie wurde am Montag Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags erlassen.

Eines dieser Dokumente landet kurz darauf im Netz und wurde verbreitet. Im Haftbefehl wurde grob ein Tathergang beschrieben, zudem erwähnt, wie oft der verstorbene Daniel H. (35) mit Messerstichen verletzt wurde. Außerdem stand in dem vertraulichen Dokument, dass einer der Täter erheblich vorbestraft sei.

Der Dresdner Justizbeamte wurde sofort suspendiert!

Wie am Nachmittag das sächsische Justizministerium bestätigte, wurde der Beamte Daniel Z. unmittelbar suspendiert.

Das Ministerium äußerte sich wie folgt: "Im Zuge der am gestrigen Tag durch die Staatsanwaltschaft Dresden aufgenommenen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines Haftbefehls wurden am gestrigen Abend zahlreiche Objekte durchsucht und weitere Ermittlungsmaßnahmen sind geplant. Diese konzentrieren sich auf die Justizvollzugsanstalt Dresden. Dabei erhärtete sich der Anfangsverdacht gegen einen Justizvollzugsbeamten derart, dass diesem mit sofortiger Wirkung vorläufig die Führung der Dienstgeschäfte verboten wird. Über weitere Maßnahmen wird im Verlauf bzw. nach Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen entschieden werden."

Justizminister Sebastian Gemkow (40, CDU): „Die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten eines Strafverfahrens ist verantwortungslos und stellt einen schwerwiegenden Vorwurf dar. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat seit gestern umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt, sodass ich davon ausgehe, dass der Fahndungsdruck auf den betroffenen Bediensteten derart hoch war, dass er sich jetzt stellte. Die Veröffentlichung des Haftbefehls ist geeignet, die laufenden Ermittlungs- und Strafverfahren zu erschweren, und steht daher zu Recht unter Strafe. Im schlimmsten Fall ist dadurch der Erfolg eines Ermittlungsverfahrens gefährdet und die Verfolgung der Täter erschwert, weil beispielsweise Zeugen beeinflusst werden könnten. Wir können es deshalb in keiner Weise dulden, wenn ein Bediensteter so etwas tut und werden konsequent dagegen vorgehen. Das sind wir auch der übergroßen Zahl der Bediensteten schuldig, die jeden Tag unter aktuell schwierigen Bedingungen loyal und rechtstreu arbeiten.“

Noch am Donnerstagmorgen wurde darüber gemutmaßt, ob der Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Jan Timke den Haftbefehl veröffentlicht hatte (TAG24 berichtete). Auf seiner Facebook-Seite postete er die Dokumente. Daraufhin wurde seine Wohnung von den Ermittlern durchsucht. Nun kam raus, er war nicht der Urheber der Veröffentlichung, sondern hatte sie nur weiterverbreitet.

Fotos: Uwe Meinhold