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Krimi-Autor spielt sein Buch nach und überfällt echte Bank

In Leipzig ist ein Krimi-Autor zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Grund: Der Schriftsteller hatte einen seiner Romane nachgespielt und eine Bank überfallen. 

Von Alexander Bischoff

Der Krimiautor Frank W. (49) stellte seine eigene Räuberpistole nach, doch er stellte sich dümmer an als sein Romanheld.

Leipzig - In Leipzig ist ein Krimi-Autor zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Grund: Der Schriftsteller hatte einen seiner Romane nachgespielt und eine Bank überfallen.

Christian Winter ist ein armer Kerl. Keine Arbeit, keine Frau, aber jede Menge Wünsche.

Also beschließt der Romanheld im Krimi „Bier, Geld und Tomaten“, eine Bank zu überfallen. Als Fluchtfahrzeug dient ein altes Fahrrad. Zum Verstauen der Beute hat er eine Plastiktüte dabei. Und hinter einem Baum deponiert er eine Tasche mit Wechselsachen für die Flucht ...

Sieben Jahre nach Erscheinen des Romans hat dessen Autor Frank W. (49) die Fiktion in die Tat umgesetzt. Weil die Verkaufserlöse seiner Bücher nicht im Entferntesten den Lebensunterhalt des arbeitslosen Diplom-Museologen decken, überfällt er im Januar 2016 die Sparkassen-Filiale Leipzig-Lützschena.

Diese Sparkassen-Filiale im Leipziger Norden raubte Frank W. aus.

Wie sein Romanheld Christian radelt auch er zur Bank, versteckt eine Tasche mit Wechselsachen hinter einem Baum und hat eine Plastiktüte dabei. Nur stellt sich der Autor weit ungeschickter an als sein Alter Ego.

Schon beim Aufsetzen der Maske übersieht er einen Passanten, der dafür den Bankräuber bemerkt.

Und während Herr W. in der Filiale Angestellte und Kunden mit einer Schreckschusspistole auf den Boden zwingt, ruft der Augenzeuge die Polizei. Auch einer Bankmitarbeiterin gelingt es, erst stillen Alarm auszulösen und dann die Geldübergabe lange hinauszuzögern.

Als Frank W. schließlich nach 25 Minuten die Sparkasse mit 38 000 Euro Beute verlässt, rennt er der Polizei quasi in die Arme. Im Prozess legt der aus Mannheim stammende Krimi-Autor ein umfangreiches Geständnis ab.

„Ich weiß, ich bin ein Arschloch, aber ich brauche das Geld“, hatte er schon während des Überfalls zu den Bankangestellten gesagt. Viereinhalb Jahre Haft lautet am Ende das Urteil des Landgerichts. Viel Zeit für neue Romane ...

   

Fotos: Andre Kemperer, Holger Baumgärtner

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