Antisemitismus-Vorwurf von Gil Ofarim: Beschuldigter Mitarbeiter stellt Anzeige

Leipzig - Nach den Antisemitismus-Vorwürfen des Musikers Gil Ofarim (39) sind zwei Mitarbeiter des Westin-Hotels in Leipzig beurlaubt worden. Einer der beschuldigten Angestellten hat mittlerweile Anzeige wegen Verleumdung erstattet.

Tief getroffen hatte Musiker Gil Ofarim (39) auf Instagram von dem Erlebten im Westin-Hotel in Leipzig berichtet.  © Instagram/gilofarim

Dies gelte zunächst für die Dauer der Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Marriott-Gruppe am Mittwochmorgen.

Ofarim hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Instagram-Video berichtet, wegen seiner Davidstern-Kette beim Einchecken in das Hotel von Mitarbeitern nicht berücksichtigt worden zu sein. Er erzählte, wie er sich in eine Schlange eingereiht habe. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden.

Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle. Der Mitarbeiter habe geantwortet: "Um die Schlange zu entzerren", dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden.

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Daraufhin habe "irgendeiner aus der Ecke" gerufen, dass er seinen Stern einpacken solle. Auch der Hotelmitarbeiter habe gesagt: "Packen Sie Ihren Stern ein."

Die Polizei nahm die Ermittlungen auf und wollte nach eigener Aussage am Mittwoch der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsunterlagen zur rechtlichen Prüfung vorlegen. Ob Ofarim Anzeige erstattete, war am Mittwochmorgen zunächst unklar.

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Hunderte Menschen hatten sich am Dienstagabend vor dem Hotel versammelt, um gegen Antisemitismus zu demonstrieren.  © Dirk Knofe/dpa

Hunderte Menschen bekundeten vor dem Westin-Hotel in Leipzig ihr Solidarität mit Gil Ofarim

Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole, die mit dem Judentum verbunden werden. Er besteht aus einem Hexagramm, das durch zwei ineinander verwobene gleichschenklige Dreiecke gebildet wird.

Obwohl das Hexagramm als jüdisches Zeichen bereits im 7. Jahrhundert vor Christus vorkommt, schmückt der Davidstern erst seit dem Mittelalter Synagogen und seit 1948 die Flagge des Staates Israel.

Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern den Juden als Stigma ("Judenstern") aufgezwungen.

Am Dienstagabend hatten sich mehrere Hundert Menschen vor dem Hotel versammelt, um Solidarität mit dem Musiker sowie Jüdinnen und Juden in Deutschland zu zeigen.

Ofarim hätte sich mehr Unterstützung von anderen Gästen gewünscht

Einige Westin-Mitarbeiter wollten sich am Mittwochabend mit einem Banner ebenfalls solidarisieren.  © Silvio Bürger

Der 39-Jährige hätte sich indes Unterstützung von anderen Gästen des Hotels gewünscht. Niemand um ihn herum habe etwas gesagt, als der Hotelmitarbeiter ihn aufgefordert habe, seinen Davidstern abzunehmen, sagte Ofarim am Mittwoch in Bild TV.

"Es ist nicht der erste Vorfall in meinem Leben, an dem ich konfrontiert worden bin mit Fremdenhass, mit Antisemitismus. Aber ich glaube: Es war einmal zu viel", sagte Ofarim.

"Ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich nicht alleine gewesen wäre in dem Moment, und hätte mir gewünscht, dass andere Gäste das vielleicht mitgehört hätten."

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Eine Entschuldigung von dem Hotel habe er bislang nicht erhalten. "Mein Management hat nur eine Email bekommen, dass man sich mal austauschen wollen würde, mal reden. Aber ich habe weder eine Stellungnahme bekommen zu diesem Fall, ich habe keine Entschuldigung bekommen, gar nichts!"

Mitarbeiter stellt Anzeige wegen Verleumdung

Der beschuldigte Mitarbeiter hat mittlerweile Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Der Mann schildere den Vorfall mit dem Künstler "deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers", sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe am Mittwoch.

Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten. Außerdem sei bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig und die die Kriminalpolizei hätten sämtliche Ermittlungen aufgenommen, sagte Hoppe. "Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist." Es lägen keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten gegen den beschuldigten Hotelmitarbeiter vor, teilte Behördensprecher Ricardo Schulz am Mittwoch auf Anfrage mit. Auch zu einer von Ofarim erwähnten zweiten Person lägen bisher keine weiteren Erkenntnisse vor.

Gil Ofarim habe bislang keine Anzeige erstattet.

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