Radioaktives Gas in Garching ausgetreten: Arbeiter mit "Atommüll alleine gelassen"

Garching - Ein Mitarbeiter hat mit einem Fehler den Austritt von radioaktivem Gas am Forschungsreaktor FRM II in Garching verursacht. 

Der Forschungsreaktor München II (FRM II) steht auf dem Gelände der Technischen Universität München (TUM) im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.  © Peter Kneffel/dpa

Das geht aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen im bayerischen Landtag hervor, die Deutschen Presse-Agentur in München vorliegt. 

Es gebe kein ausdrückliches Vier-Augen-Prinzip für die Bedienung der Anlage zum Herausfiltern von radioaktivem Kohlendioxid.

Eine Kontrolle sei weder von der Technischen Universität München als Betreiberin des Reaktors noch von der Atomaufsicht vorgeschrieben. 

Es gebe auch keine maschinelle Warnung, wenn die Einheit nicht oder falsch angeschlossen sei.

Der Mitarbeiter sei "mit dem Atommüll allein gelassen" worden, kritisierten die Grünen am Freitag.

Es könne nicht sein, dass eine derart wichtige Einrichtung von einer einzigen Person ohne jede Kontrolle bedient werde, sagte die Grünen- Landkreisabgeordnete Claudia Köhler. 

Der ebenfalls örtlich zuständige Grünen-Abgeordnete Markus Büchler kritisierte, die Öffentlichkeit sei erst viele Wochen nach den ersten erhöhten Werten informiert worden.

FRM II-Sprecherin Anke Görg sagte, es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet, damit ein solcher Vorfall sich nicht wiederhole. Der FRM II werde ein entsprechendes Konzept beim Umweltministerium als atomrechtliche Aufsichtsbehörde vorlegen, die über den Betrieb entscheide. 

Wegen der Corona-Krise steht der Reaktor seit März still.

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