Coronavirus: Boris Palmer will Junge zur Arbeit schicken und Ältere isolieren

Tübingen - Das Coronavirus hat immer mehr Auswirkungen auf unseren Alltag. Mittlerweile gibt es auch Ausgangsbeschränkungen. Doch wie lange können wir daheim bleiben, das öffentliche Leben und die Wirtschaft herunterfahren? Tübingens OB Boris Palmer (47, Grüne) hat sich damit beschäftigt.

Tübingens Stadtoberhaupt Boris Palmer.  © Silas Stein/dpa

Dafür wählte der Grünen-Politiker wie so oft seine Facebook-Seite. "Vor einer Woche habe ich hier drei Szenarien vorgestellt, wie es nach dem Shutdown weiter gehen könnte", beginnt Palmer seinen Beitrag. "Die gleiche Überlegung haben einige Forschergruppen nun durchgerechnet."

Das Ergebnis sei so, wie von ihm befürchtet: "Laufen lassen dürfen wir die Epidemie nicht, weil sie das Gesundheitssystem überfordert. Die Zahl der Infektionen niedrig genug zu halten, verlangt aber, die jetzt aktivierten Maßnahmen mindestens ein Jahr durchzuhalten." 

Londoner Forscher hätten simuliert, was passiere, wenn man die Maßnahmen immer wieder lockere, wenn das Virus gerade unter Kontrolle gebracht sei. 

Ergebnis: Das Coronavirus "kommt zurück und dann braucht man sogar 18 Monate, bis es geschafft ist".

Palmer schlägt deshalb eine Alternative vor. Der Blick nach Italien zeige, dass fast ausschließlich schwer Kranke und sehr alte Menschen durch das Virus sterben würden. 

"Jeder Tod ist furchtbar, aber hier geht es um die Suche nach einer Strategie auf Grund von Daten", so der 47-Jährige. "Und die sagen: Würde man die Gruppe der über 60-Jährigen vor jeder Infektionsgefahr schützen können, wäre eine ungebremste Epidemie unter den Jüngeren für das Gesundheitssystem gut zu bewältigen."

Ältere monatelang daheim komplett isolieren

Das Coronavirus. (Illustration)  © Cdc/ZUMA Wire/dpa

Heißt im Klartext: "Die Älteren lassen sich auf komplette Isolation in ihrem Heim ein. Für etwa drei Monate. Die Jüngeren versorgen sie in dieser Zeit mit allem was sie brauchen. Aber eben an der Tür."

Die Jüngeren gehen in Palmers Idee wieder arbeiten, "damit wir das, was wir alle brauchen, auch produzieren und leisten können". Und die Jüngeren nähmen es auf sich, die Infektion durchzumachen.

Palmer weiter: "Damit könnten wir bis in drei Monaten eine ausreichende Herdenimmunität unter den Jüngeren herstellen und anschließend den Älteren nach und nach wieder die Rückkehr ins öffentliche Leben ermöglichen."

Dass von dem Vorschlag viele nicht begeistert sein dürften, ist dem Politiker klar: "Ja, das enthält Zumutungen und es unterscheidet nach Alter. Aber nicht willkürlich, sondern weil der Virus nach Alter unterscheidet. Und es ist solidarisch, denn alle leisten einen Beitrag." 

Er spricht in dem Zusammenhang gar von einem neuen Generationenvertrag.

Jedoch zeigt er sich sicher: "Die Alternative, die gesamte Gesellschaft ein Jahr im Ausnahmezustand zu halten und die Wirtschaft komplett gegen die Wand zu fahren, erscheint mir jedenfalls nicht besser."

Wir hätten in Palmers Augen jetzt zwei Wochen Zeit, um heraus zu finden, ob die Epidemie ganz gestoppt werden könne. "Ist das nicht der Fall, müssen wir anfangen uns zu überlegen, wie lange wir den Shutdown für alle durchhalten. Alles auf eine Karte zu setzen, nämlich auf einen Impfstoff, der schon in drei Monaten zur Verfügung steht, finde ich zu riskant."

Für seine Idee, Ältere vorübergehend komplett zu isolieren, bekam Palmer in den Kommentaren unter dem Posting regen Zuspruch. Einige User wiesen den OB jedoch auch darauf hin, dass mittlerweile sehr wohl auch viele jüngere Menschen an dem Virus erkrankt sind.

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