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Sind die Tschechischen Industrie-Abgase krebserregend?

Bürgermeister von Olbernhau warnt vor "Böhmischem Nebel"

us nordböhmischen Industrieanlagen machen nach Ansicht vieler Erzgebirger krank. Die Wissenschaft bleibt bislang den Beweis dafür schuldig.

Von Torsten Schilling

In Deutschneudorf analysieren Anja Schmidt (49) und Meteorologe Maik Merkel (35) vom Leibniz Institut für Troposphärenforschung die Zusammensetzung des "böhmischen Nebels".

Olbernhau - Schnüffelnasen gesucht: Abgase aus nordböhmischen Industrieanlagen machen nach Ansicht vieler Erzgebirger krank. Die Wissenschaft bleibt bislang den Beweis dafür schuldig. Nun werden Testpersonen gesucht.

Schon lange klagen viele Bewohner des Erzgebirges über "Böhmischen Nebel", der - aus Tschechien kommend - vor allem im Winter ihre Region heimsucht.

Wie es zu der Geruchsbelästigung kommt, wird seit April 2016 im Rahmen des von der EU geförderten deutsch-tschechischen Projekts OdCom untersucht. Offenbar bisher mit nur wenig Erfolg, denn nun ruft das Sozialministerium als Projektpartner die Bewohner der am meisten betroffenen Gemeinden Olbernhau, Seiffen, Heidersdorf, Deutschneudorf und Neuhausen zur Mithilfe auf.

Jeder vierte Einwohner der Gemeinden erhält in den nächsten Tagen per Post einen Fragebogen. Das Ministerium ruft zur Beteiligung an der Studie auf.

Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (63, FDP) bleibt skeptisch. "Bislang wurden auch Stoffe wie Tetrachlorethen nachgewiesen. Und das ist kein Vitaminbonbon." Die Internationale Agentur für Krebsforschung stufte Tetrachlorethen 2014 als "wahrscheinlich krebserzeugend" ein.

Ebenso wabern Acetophenon und Benzaldehyd durch die Luft. Beide Stoffe sind gesundheitsschädlich. "Wir müssen den gefährlichen Stoffen auf der Spur bleiben", fordert Haustein.

Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (63, FDP) will den krebserregenden Stoffen in der Luft nachspüren.
Was braut sich da zusammen? Über die Abgase aus dem Litvinover Chemiepark rümpfen die Erzgebirger seit Jahren die Nase.

Fotos: Uwe Meinhold, Kristian Hahn, DPA