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Wenn Imker zu Dieben werden: Das steckt hinter dem Leipziger Bienen-Klau

Im Norden Leipzigs beklaute ein Imker einen Bienen-Freund. Kein Einzelfall, wie sich herausstellte. Immer wieder verschwinden ganze Bienen-Völker.

Von Alexander Bischoff

Rund 40 solcher Bienenstöcke wurden einem Hobby-Imker am Leipziger Nordrand gestohlen. Der Täter war ein Gewerbe-Imker.

Leipzig - Dreister Bienenklau am Nordrand Leipzigs. Einem Hobby-Imker sind 40 Bienenvölker gestohlen worden. Gefunden wurde das Diebesgut bei einem Gewerbe-Imker aus der Nachbarschaft, gegen den jetzt die Polizei ermittelt. Diebstahl unter Kollegen - kein Einzelfall, wie der Landesverband der Sächsischen Imker (LVSI) beklagt.

Matthias T. (46) hat seine Bienenvölker am Leipziger Auenwald stehen. Als der Hobby-Imker am Dienstag nach den Tieren schauen wollte, traute er seinen Augen kaum: "40 Bienenvölker waren gestohlen, bei den restlichen zehn waren die Deckel der Stöcke geöffnet, offenbar sollten die Bienen sterben“, berichtet Polizei-Sprecherin Maria Braunsdorf.

T. erstattete Anzeige und machte sich selbst auf die Suche. Weit musste er nicht fahren. Noch am Abend beobachtete er einen Vereinskollegen aus dem gleichen LVSI-Ortsverband beim Transport der gestohlenen Bienenstöcke.

Honigbienen sammeln sich auf einer Wabe. Zu einem Volk gehören etwa 40.000 bis 50.000 Tiere.

Der Hobby-Imker stellte den Gewerbe-Imker (52), der seine Produkte auf Wochenmärkten vertreibt, sofort zur Rede.

Laut Polizei gab der Ertappte zu, die Stöcke im Wert von 10.000 Euro von der Wiese geholt zu haben. "Zum Motiv des Diebstahls machte er keine Angaben“, so Braunsdorf.

"Das kommt leider häufiger vor“, sagt LVSI-Vorsitzender Dr. Michael Hardt (53). Wenn Imker zu Bienen-Dieben werden, versuchten sie meist, ihre Frühjahrsverluste auszugleichen, so Hardt.

Und die sind in diesem Jahr besonders hoch, weiß René Schieback. "Milbenbefall, Futterknappheit und Monokulturen haben die Winterbienen geschwächt“, erklärt der Chef der Sächsischen Imkerschule.

Viele Völker seien gestorben. Und weil ertragreiche Wirtschaftsvölker nur schwer zu bekommen und mit bis zu 400 Euro pro Volk sehr teuer sind, werde öfter geklaut.

Vorsichtig öffnen der Imker einen Bienenstock und entnimmt eine Wabe. Bleibt der Deckel offen, können Seuchen eingetragen werden und das Volk geht zugrunde.

Fotos: DPA, privat