Insider-Information zu Berlin-Anschlag an AfD-Freunde geschickt: Polizist ist weiter im Dienst

Berlin - Ein Berliner Polizist, der interne Informationen zum islamistischen Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt an Parteifreunde von der AfD verraten haben soll, ist weiter im Dienst.

Eine Schneise der Verwüstung ist auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war. (Archivbild)
Eine Schneise der Verwüstung ist auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war. (Archivbild)  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Über mögliche Konsequenzen werde erst nach Abschluss der Strafermittlungen entschieden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. 

Das disziplinarrechtliche Verfahren bei der Polizei gegen den Beamten ruhe bis dahin. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Polizeihauptkommissar wegen des Verdachts auf Verrat von Dienstgeheimnissen.

Die "Berliner Morgenpost" berichtete, der Polizist sei versetzt worden, er arbeite nun im Innendienst ohne direkten Kontakt zu Bürgern. Er habe demnach seine Dienstwaffe abgeben müssen und auch keinen Zugang mehr zur Polizei-Computerdatenbank. Dazu äußerte sich der Polizeisprecher nicht.

Benjamin Jendro, Sprecher der Polizeigewerkschaft (GdP), sagte der dpa, es sei richtig, bei schwerwiegenden Vorwürfen Maßnahmen zu ergreifen. 

Es gelte aber auch für Polizistinnen und Polizisten die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen müssten abgewartet werden. "Eines aber muss klar sein. In der Berliner Polizei ist weder Platz für Rechtsextremisten noch Personen, die mit ihnen gemeinsame Sache machen."

Dienstgeheimnisse zu Breitscheidplatz-Attentat in einer Chatgruppe geteilt

Die Bildkombo zeigt die am 21.12.2016 vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Fahndungsfotos des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. (Archivbild)
Die Bildkombo zeigt die am 21.12.2016 vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Fahndungsfotos des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri. (Archivbild)  © -/Bundeskriminalamt/dpa

Nach einem Bericht des ARD-Politikmagazins "Kontraste" und des NDR soll der Polizist Mitglied der AfD sein und in einer Chatgruppe Parteimitgliedern interne Informationen zu dem Terroranschlag im Dezember 2016 mitgeteilt haben - ein erstes Mal bereits 90 Minuten nach dem Anschlag. Am nächsten Tag soll er Ergebnisse zur Untersuchung des Lastwagens verschickt haben, mit dem der Täter in den Weihnachtsmarkt gefahren war.

Der Attentäter Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen entführt, mit dem er über den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz fuhr. Er tötete zwölf Menschen und verletzte zahlreiche weitere. 

Amri hatte enge Kontakte ins Salafistenmilieu und war Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa, -/Bundeskriminalamt/dpa (Bildmontage)

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