Aufmarsch trotz Demo-Verbot: Polizei nimmt rund 500 "Querdenker" fest

Berlin - Nach dem Verbot mehrerer Demonstrationen auch aus der "Querdenker"-Szene kontrolliert die Berliner Polizei mit bis zu 2250 Einsatzkräften großflächig in der Stadt.

Die Polizei geht gegen Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen vor. Mehrere Demonstrationen in Berlin bleiben am Sonntag verboten, darunter eine Kundgebung der Stuttgarter "Querdenken"-Initiative.
Die Polizei geht gegen Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen vor. Mehrere Demonstrationen in Berlin bleiben am Sonntag verboten, darunter eine Kundgebung der Stuttgarter "Querdenken"-Initiative.  © Fabian Sommer/dpa

Nach Angaben einer Polizeisprecherin versammelten sich mehr als 1000 Menschen im Umfeld des Olympischen Platzes. Teilweise hätten Leute versucht, Absperrungen zu durchbrechen.

"Hierbei musste in einzelnen Fällen körperliche Gewalt angewendet werden", sagte die Polizeisprecherin am Sonntagvormittag.

Die Berliner Polizei hatte für dieses Wochenende mehrere Demonstrationen verboten, weil sie Verstöße gegen die Hygieneauflagen befürchtete.

Berlin: Unangemeldete Demonstration: "Querdenker" blockieren Verkehr in Berlin
Berlin Unangemeldete Demonstration: "Querdenker" blockieren Verkehr in Berlin

Darunter ist auch eine Kundgebung der Initiative "Querdenken 711" aus Stuttgart, die für den Nachmittag ursprünglich 22.500 Teilnehmer angemeldet hatte.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigte das Verbot am späten Samstagabend.

Eine Reihe anderer Veranstaltungen, die sich ihrem Titel zufolge teils ebenfalls gegen die Politik in der Corona-Pandemie richten, können dagegen stattfinden.

Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen laufen am Sonntag die Bismarckstraße in Berlin entlang.
Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen laufen am Sonntag die Bismarckstraße in Berlin entlang.  © Fabian Sommer/dpa

So war am Olympischen Platz ein Autokorso geplant. Autokorsos hätten ein anderes Hygienekonzept, sagte die Polizeisprecherin. Zusätzlich seien Menschen zu Fuß dort hingeströmt, was als nicht zulässige Ersatzveranstaltung gewertet werde. Die Personen würden deshalb angehalten und etwa Personalien aufgenommen.

Update, 17.51 Uhr: Zahlreiche Festnahmen nach Demo-Verboten

Bei den Ansammlungen sind zahlreiche Menschen festgenommen worden. Bis zum späten Nachmittag habe es rund 500 Festnahmen und vorübergehende Festnahmen zum Aufnehmen der Personalien gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. "Das Aggressionspotenzial variierte." Zum Teil habe es Versuche gegeben, Absperrungen zu überwinden und Einsatzkräfte beiseite zu drängen. Bei solchen Auseinandersetzungen sei von Seiten der Polizei auch körperliche Gewalt angewendet worden, so der Sprecher.

Am Nachmittag seien an der Siegessäule an der Straße des 17. Juni ebenfalls etwa 2000 Menschen zusammengekommen. Sie hätten versucht, in den Bereich einzudringen, für den die Initiative "Querdenken 711" eine Kundgebung mit 22.500 Teilnehmern angemeldet hatte, die dann aber verboten wurde. "Das konnten wir unterbinden", so der Sprecher. "Wir haben Fahrzeuge als Absperrungen genutzt, auch Absperrgitter." Außerdem seien Wasserwerfer hinzugezogen worden - "die wir glücklicherweise nicht zum Einsatz bringen mussten."

Stadtweit sei es im Lauf des Tages immer wieder zu Menschenansammlungen gekommen. Nach bisherigen Erkenntnissen sei von insgesamt mehreren tausend Menschen auszugehen. "Wir hatten ursprünglich damit gerechnet, dass das bis in den fünfstelligen Bereich reicht", so der Sprecher. "Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen." Die unterschiedlichen Brennpunkte zusammengerechnet, sei eine Größenordnung 5000 oder darüber hinaus aber realistisch.

Update, 16.05 Uhr: Demonstranten blockieren Verkehr auf der Kurfürstenstraße

Eine Menschenansammlung auf der Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten hat am Sonntagnachmittag den Verkehr blockiert. Mehrere hundert Menschen waren nach Angaben eines dpa-Reporters von der Siegessäule an der Straße des 17. Juni am Breitscheidplatz vorbei zur Kurfürstenstraße gezogen. Auf Transparenten von Gegnern der Corona-Politik standen Parolen wie "Friede, Freiheit, keine Diktatur" oder "Kein Test: keine Pandemie". Etliche von ihnen hatten Trommeln oder Trillerpfeifen dabei.

Der Verkehr war zum Teil lahmgelegt, immer wieder mussten Autos anhalten und hupten laut. Polizei war dort zunächst kaum zu sehen.

Update, 14.27 Uhr: Polizei rückt mit Wasserwerfern an

Wasserwerfer stehen am Sonntag an der Siegessäule in Berlin.
Wasserwerfer stehen am Sonntag an der Siegessäule in Berlin.  © Fabian Sommer/dpa

Die Berliner Polizei hält angesichts mehrerer Proteste in der Hauptstadt auch Wasserwerfer bereit.

"Mehrere Wasserwerfer machen sich jetzt auf in Richtung Innenstadt", sagte eine Polizeisprecherin am Sonntagnachmittag.

Es seien mehrere Tausend Menschen im Stadtgebiet unterwegs, derzeit versammelten sich viele am Großen Stern.

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An der Siegessäule waren nach Angaben eines dpa-Reporters viele Polizeiwagen versammelt, ein Hubschrauber war dort im Einsatz. Auch Absperrgitter waren aufgestellt.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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