Empörung nach Anti-Corona-Demo in Berlin: Ist die Kritik an der Polizei angebracht?

Berlin -  Die Polizeistrategie bei Protesten gegen die Corona-Regeln am Wochenende ist aus Sicht eines Experten plausibel.

Das Motto der Demonstration lautete "Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit".
Das Motto der Demonstration lautete "Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit".  © dpa/zb/Paul Zinken

"Für mich ist der zeitliche Ablauf, wie der Polizeieinsatz in Berlin abgelaufen ist, vollkommen nachvollziehbar", sagte der Fachgebietsleiter für polizeiliches Einsatzmanagement an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, Gustav Zoller, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Verstößen spreche die Polizei zunächst mit dem Versammlungsleiter und verdeutliche die Auflagen. Dann müsse Sorge dafür getragen werden, dass die Demonstrierenden diese auch alle verstanden hätten. 

"Wir reden da insgesamt von einem sehr langen Zeitraum. Eine Stunde ist bei einer hohen Anzahl von Versammlungsteilnehmern schnell vergangen", erklärte Zoller. Eine Schwierigkeit sei zudem gewesen, dass es mehrere Versammlungen zur gleichen Zeit gegeben habe.

Bei den Protesten gegen die staatlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren am Samstag in Berlin Tausende auf die Straße gegangen. 

Weil viele Demonstranten weder die Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, löste die Polizei eine Kundgebung am frühen Abend auf. Danach kam es zu einer Debatte über die Grenzen der Versammlungsfreiheit. "Die Demonstration hätte schon früher aufgelöst werden können", sagte etwa die SPD-Chefin Saskia Esken (58).

"Die Polizei ist daran gehalten, zunächst zu versuchen, die geltenden Auflagen durchzusetzen", sagte Zoller. "Eine Ausnahme wäre, wenn es eine gewalttätige Auseinandersetzung gibt. Dann müsste die Polizei sofort agieren. Das war in Berlin aber nicht der Fall."

Titelfoto: dpa/zb/Paul Zinken

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