Krawall in Neukölln: Mutmaßliche Links-Chaoten hinterlassen Spur der Verwüstung

Berlin - Etwa 50 Personen haben am späten Freitagabend in Berlin-Neukölln randaliert.

Scheiben eines Optikerladens wurden ebenfalls eingeworfen und hastig "G. Floyd" rangesprüht.
Scheiben eines Optikerladens wurden ebenfalls eingeworfen und hastig "G. Floyd" rangesprüht.  © Morris Pudwell

Die Gruppe sei von der Richardstraße über die Karl-Marx-Straße bis zum Rathaus Neukölln gezogen, habe Gegenstände auf die Fahrbahn geworfen, Pyrotechnik gezündet und Schaufenster mit Steinen beschädigt, sagte ein Polizeisprecher. 

Gegen 22 Uhr habe die Polizei Einsatzkräfte vor Ort gesammelt. 

Die Gruppe habe sich daraufhin aufgelöst. Zur Höhe des Schadens konnte die Polizei zunächst noch nichts sagen.

Man gehe von einem Zusammenhang mit dem Gerichtsurteil zum umstrittenen Hausprojekt "Liebig 34" aus, sagte der Sprecher. 

Das Projekt gilt als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in der Stadt. 

Nach monatelangem Rechtsstreit war am Mittwoch der Räumungsklage des Hausbesitzers stattgegeben worden. 

Der Bewohner-Verein, der sich als "anarcha-queer-feministisches Hausprojekt Liebig 34" bezeichnet, hatte sich nach einer Kündigung geweigert, das Haus zu verlassen.

Update, 14.38 Uhr: Staatsschutz sucht Zeugen nach Sachbeschädigungen und besonders schwerer Landfriedensbruch in Neukölln

Nach der Randale in Berlin-Neukölln in der Nacht zum Samstag hat die Polizei 20 Personen - 13 Frauen und 7 Männer - kurzzeitig festgesetzt. Ihre Identitäten wurden festgestellt, danach wurden alle wieder entlassen, wie die Polizei am Samstag mitteilte. 

Etwa 70 Polizisten waren im Einsatz. Die Polizei geht von einem linksextremistischen Hintergrund aus. Sie ermittelt wegen Sachbeschädigung und besonders schweren Landfriedensbruchs.

Kurz nach 22 Uhr am Freitagabend hätten mehrere Anrufer die Polizei alarmiert, hieß es. Etwa 50 Personen sollen teilweise vermummt und mit Fackeln in den Händen vom Richardplatz Richtung Karl-Marx-Straße gezogen sein. Dort sollen nach bisherigen Erkenntnissen Steine auf die Fenster von neun Geschäften geworfen worden sein, die teilweise vollkommen zu Bruch gingen. In der Richardstraße wurde ein Müllcontainer in Brand gesetzt

Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz hat das veröffentlichte Bekennerschreiben zu den Sachbeschädigungen in Neukölln als authentisch eingestuft. In diesem Zusammenhang bitten die Ermittler um Hinweise zu dem Geschehen.

Die Ermittler fragen:

  • Wer hat entsprechende Tathandlungen beobachtet und kann Angaben zu den Tätern machen?
  • Wer hat in Tatortumgebung Personen gesehen, die sich gegebenenfalls umkleideten sowie vermummten?
  • Hat jemand beobachten können, ob Kleidungstücke oder Tatmittel entsorgt wurden?
  • Hat jemand beobachten können, woher die Täter kamen oder wohin beziehungsweise mit welchen Verkehrsmitteln sie geflüchtet sind?

Hinweise bitte an das Landeskriminalamt 521 am Bayernring 44 in 12101 Berlin-Tempelhof unter den Rufnummern (030) 4664-952101 oder an jede andere Polizeidienststelle.

Update, 13.35 Uhr: Bezirksbürgermeister verurteilt "sinnlose Randale" in Neukölln

Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, spricht bei der Pressekonferenz
Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, spricht bei der Pressekonferenz  © Gregor Fischer/dpa

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (34, SPD) hat den Krawall von mutmaßlichen Linksextremisten in der Nacht zum Samstag scharf kritisiert. 

"Für diese sinnlose und zerstörerische Randale kann es kein Verständnis und keine Rechtfertigung geben", sagte Hikel in einer Mitteilung. Besonders perfide finde er, dass diese Personen den Namen von George Floyd hinterlassen hätten und damit auf die Proteste Hunderttausender in den USA gegen Rassismus Bezug nehmen. 

Eingeschlagene Fensterscheiben von Optikern und Supermärkten in Neukölln hätten nichts mit dem wichtigen Protest gegen Rassismus zu tun. 

"Ganz im Gegenteil: Ein solches Verhalten ist dämlich, unsolidarisch und schadet dem tatsächlichen Protest gegen Rassismus - in Neukölln und überall", sagte Hikel.

Kurz nach 22 Uhr am Freitagabend hätten mehrere Anrufer die Polizei alarmiert, hieß es. Etwa 50 Personen sollen teilweise vermummt und mit Fackeln in den Händen vom Richardplatz Richtung Karl-Marx-Straße gezogen sein. Dort sollen nach bisherigen Erkenntnissen Steine auf die Fenster von neun Geschäften geworfen worden sein, die teilweise vollkommen zu Bruch gingen. In der Richardstraße wurde ein Müllcontainer in Brand gesetzt.

Mehrere Hauswände wurden beschmiert. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin wurden die Schriftzüge «GFLOYD» und «No justice, no peace» (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) hinterlassen. 

Dort sollen nach bisherigen Erkenntnissen Steine auf die Fenster von neun Geschäften geworfen worden sein, die teilweise vollkommen zu Bruch gingen. In der Richardstraße wurde ein Müllcontainer in Brand gesetzt

Der Afroamerikaner George Floyd war vorige Woche in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gestorben, nachdem ein weißer Polizeibeamter sein Knie minutenlang auf seinen Hals gedrückt hatte.

Update, 9 Uhr: Bekennerschreiben auf "indymedia" aufgetaucht

Der verzweifelten Hilferuf von George Floyd "I can't breathe" wurde an ein Geschäft geschmiert.
Der verzweifelten Hilferuf von George Floyd "I can't breathe" wurde an ein Geschäft geschmiert.  © Morris Pudwell

Auf der häufig von Linksextremen genutzten Plattform "indymedia" ist am späten Freitagabend gegen Mitternacht ein anonym verfasstes Bekennerschreiben erschienen. 

Demnach soll die Randale als Protestaktion in Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd stehen, der Opfer von Polizeigewalt in den USA wurde und bei seiner Festnahme erstickt wurde.

"Deshalb versammelte sich heute um 22 Uhr eine Sponti und zog mit 250 bis 300 Menschen wütend durch den Neuköllner Richardkiez", heißt es in dem Schreiben auf der Plattform. Man habe "Hass auf das System", wird als Begründung für die nächtliche Spur der Verwüstung genannt. 

"George Floyd - das war Mord! Widerstand an jedem Ort!!", schließt das Statement.

Ob das Bekennerschreiben authentisch ist, bleibt fraglich.


Titelfoto: Morris Pudwell

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