Berlin Tegel (TXL): Vom historischen Flughafen zur Stadt der Zukunft

Berlin - Ein historischer Flughafen ist Geschichte! Also beinahe zumindest, denn der Flughafen Berlin-Tegel "Otto Lilienthal", nach dem internationalen Flughafencode kurz TXL genannt, wird nach der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens BER noch für ein halbes Jahr auf Standby bereitstehen. Danach kann das riesige Areal endgültig einer neuen Funktion zugeführt werden.

Tradition trifft auf Moderne: Eine Parkanlage mit See soll im Schatten des alten Flughafen-Towers entstehen. (Konzeptfoto)
Tradition trifft auf Moderne: Eine Parkanlage mit See soll im Schatten des alten Flughafen-Towers entstehen. (Konzeptfoto)  © Tegel Projekt GmbH/Macina

Rückblick: Der Flughafen im Ortsteil Tegel wurde in einer schweren Stunde Berlins förmlich aus dem Boden gestampft. In nur 90 Tagen Bauzeit wurde der Flugplatz während der Blockade West-Berlins errichtet, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern und wurde so zu einem wichtigen Teil der sogenannten "Berliner Luftbrücke".

Am 5. November 1948 setzte die erste Maschine zur Landung an. Beinahe auf den Tag genau 72 Jahre später, landete am Mittwoch der erste Jet auf der südlichen Landebahn des neuen Hauptstadtflughafens, der damit mit neun Jahren Verspätung vollständig in Betrieb gegangen ist.

Am 5. Mai 2021 endet dann auch verwaltungsrechtlich die Nutzung von TXL als Flughafen.

Im Anschluss müssen zunächst alle sicherheitsrelevanten Anlagen abgebaut werden, bevor das neue Zeitalter des circa 500 Hektar großen Geländes beginnen kann.

Berlin TXL soll ein Modellprojekt für die nachhaltige Stadt der Zukunft werden!

Ein Luftbild zeigt das markante sechseckige Terminal-Gebäude in seiner neuen Nutzung. Oberhalb schließt sich das neue Schumacher Quartier an, das Platz für mehr als 10.000 Menschen bieten soll. (Konzeptfoto)
Ein Luftbild zeigt das markante sechseckige Terminal-Gebäude in seiner neuen Nutzung. Oberhalb schließt sich das neue Schumacher Quartier an, das Platz für mehr als 10.000 Menschen bieten soll. (Konzeptfoto)  © Tegel Projekt GmbH/Macina

Wo jahrzehntelang mehrere hundertmal pro Tag der Startschuss für fortwährende Umweltverschmutzung gegeben wurde, soll nun ein nachhaltiges und klimafreundliches Nutzungskonzept greifen.

Bevor jedoch die ersten Bagger anrollen, ist für den August 2021 noch einmal ein "Tag der offenen Tür" geplant, an dem sich Interessierte einen Einblick hinter die Kulissen des ehemaligen Flughafens und zeitgleich einen Ausblick in die Zukunft verschaffen können.

Und die Zukunft ist längst in Planung, denn ab 2021 soll auf dem Flughafengelände innerhalb von etwa 20 Jahren ein komplett neuer Stadtteil und ein Modellprojekt für die nachhaltige Stadt der Zukunft entstehen.

Einen Teil wird dabei die "Urban Tech Republic" bilden, ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien.

"The Urban Tech Republic": Ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien entsteht

Ein Blick in die Straßen der hochmodernen "Urban Tech Republic". (Konzeptfoto)
Ein Blick in die Straßen der hochmodernen "Urban Tech Republic". (Konzeptfoto)  © Tegel Projekt GmbH/Macina

Hier sollen Wissenschaft, Forschung, Industrie und Gewerbe sowie Start-ups und Investoren auf engstem Raum aufeinandertreffen, mit dem Ziel, die Erforschung und Entwicklung von urbanen Technologien voranzutreiben und Lösungen für die Städte von morgen zu finden.

So soll Berlin TXL beispielsweise nachhaltig mit Wärme und Kälte versorgt werden, wobei Energie gleichzeitig verbraucht und erzeugt wird.  

Einen wichtigen Bestandteil des Technologiezentrums wird ein neuer Campus der Beuth Hochschule bilden, der Platz für 2500 Studierende bieten soll. Außerdem wird auch die Berliner Feuerwehr eine Akademie mit Schulungsbetrieb auf dem Gelände betreiben.

Nördlich der "Urban Tech Republic" entsteht ein großes Naherholungsgebiet mit "Raum für Sport, Spiel und Naturerlebnis für alle Berlinerinnen und Berliner".

Auch zum östlich angrenzenden Schumacher Quartier hin soll ein Landschaftspark entstehen. Die Realisierung der "Urban Tech Republic" ist bis etwa 2040 in insgesamt vier Bauabschnitten geplant.

Das Schumacher Quartier soll Wohnraum für mehr als 10.000 Menschen bieten

So könnte es in den Straßen des Schumacher Quartiers in Zukunft aussehen. (Konzeptfoto)
So könnte es in den Straßen des Schumacher Quartiers in Zukunft aussehen. (Konzeptfoto)  © Tegel Projekt GmbH/Macina

Auch neuer Wohnraum soll natürlich geschaffen werden. Laut Konzept wird allein das Schumacher Quartier über 5000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen bieten. In den benachbarten Quartieren TXL Nord und Cité Pasteur und sind weitere 4000 Wohnungen in Planung.

Dabei soll das Schumacher Quartier auch durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften betrieben werden und nicht nur von Privatinvestoren. Die Rede ist hierbei von einem Anteil von 50 Prozent.

Die neue Siedlung wird Flächen für Wohnen, Einzelhandel, Dienstleistung und nicht störendes Gewerbe bieten. Außerdem sollen dort zwei Schulen sieben Kindertagesstätten sowie Sport- und Jugendeinrichtungen integriert werden. Grünflächen und Spielplätze sollen natürlich auch nicht zu kurz kommen. Hierfür sind insgesamt circa 30 Hektar in der unmittelbaren Umgebung eingeplant.

Obendrein wird für das Quartier ein autofreies Konzept vorgesehen. Die Autos sollen in Garagen am Rand der Siedlung abgestellt werden, wo die Bewohner in sogenannten Mobility-Hubs auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und E-Mobilität zurückgreifen können.

Auch für das Schumacher Quartier ist der Baubeginn für 2021 geplant. Die Bauarbeiten werden sich voraussichtlich bis Mitte der 2030er-Jahre hinziehen, wobei Schulen und Kitas gleich im ersten Bauabschnitt errichtet werden sollen.

Titelfoto: Tegel Projekt GmbH/Macina

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