So viele Angestellte werden durch Kaufhof-Schließungen auf die Straße gesetzt

Berlin – Sechs von elf Warenhäusern will Galeria Karstadt Kaufhof in Berlin schließen, viele der Geschäfte befinden sich in bester Lage. Wenn sie dicht machen, könnte das weitreichende Folgen haben.

Galeria Kaufhof schließt einige Filialen.
Galeria Kaufhof schließt einige Filialen.  © Paul Zinken/dpa

Von den geplanten Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof in Berlin könnten nach Gewerkschaftsangaben rund 1.000 von etwa 2.100 Beschäftigten betroffen sein. 

Davon arbeiteten 650 direkt in den Warenhäusern, die übrigen in integrierten Geschäften sowie Feinkostabteilungen und Reisebüros, wie Verdi-Handelsexpertin Erika Ritter am Samstag sagte. In Brandenburg seien nach jetzigem Stand 210 von 400 Beschäftigten betroffen.

Bundesweit warnen Kommunen und Politik vor einem Aussterben der Innenstädte. "Die betroffenen Kommunen müssen gemeinsam mit dem Handel und den Immobilieneigentümern Zukunftsstrategien erarbeiten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der Passauer Neuen Presse (Samstag). Beim Handelsverband Berlin-Brandenburg hieß es: "Berliner Warenhäuser sind Kiezgestein."

Der angeschlagene Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hatte am Freitag die Schließung von 62 seiner 172 Warenhäuser angekündigt. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates werden dadurch insgesamt 5.317 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren.

Demos gegen Schließung vor Filialen

Vor einigen Filialen in Berlin versammelten sich am Samstagvormittag Menschen, um gegen die geplante Schließung zu demonstrieren. "Karstadt muss am Leo bleiben", forderte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (53, Grüne), vor dem Standort am Leopoldplatz.

In Berlin sollen sechs von elf Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen geschlossen werden. Dazu gehören die Standorte in Charlottenburg, Tempelhof sowie an der Müllerstraße in Berlin-Wedding, im Berliner Ringcenter an der Frankfurter Allee, in Hohenschönhausen sowie die Filiale in den Gropius-Passagen in Neukölln.

Außerdem soll die geplante Filiale in Berlin-Tegel gar nicht erst öffnen. Damit ist auch die Hauptstadt von den bundesweiten Filialschließungen aufgrund der Corona-Krise massiv betroffen. Insgesamt sollen 62 von 172 Filialen schließen.

Der Center-Manager ECE als einer der großen Vermieter kündigte weitere Gespräche an. "Solange noch nichts endgültig entschieden ist, wollen wir versuchen, weiter mit Karstadt Kaufhof zu verhandeln und für die Standorte zu kämpfen", sagte Steffen Eric Friedlein, Geschäftsführer Vermietung der ECE, am Samstag in Hamburg.

"Innenstädte und Ortskerne dürfen nicht aussterben."

Die Filiale in der Frankfurter Allee steht auch auf der roten Liste.
Die Filiale in der Frankfurter Allee steht auch auf der roten Liste.  © Paul Zinken/dpa

12 der 172 Standorte des Konzerns befinden sich – oftmals schon seit Jahrzehnten – in verschiedenen von der ECE betriebenen Shopping-Centern und seien zu einem großen Teil von den Schließungsplänen betroffen. Dazu zählen auch das Linden-Center in Hohenschönhausen und das Ring-Center an der Frankfurter Allee.

Die Grünen forderten, die Bundesregierung müsse "Kauf-vor-Ort"-Gutscheine einführen, um den stationären Einzelhandel sowie örtliche Dienstleistungen und Gastronomie zu unterstützen. "Innenstädte und Ortskerne dürfen nicht aussterben."

Landsberg sagte der Passauer Neuen Presse, Galeria Karstadt Kaufhof stehe stellvertretend für die Krise vieler stationärer Händler, die durch die Corona-Pandemie verschärft worden sei. "Nach Schätzungen von Handelsexperten stehen 50.000 Einzelhändler vor der Pleite." Im RND betonte er, die Corona-Pandemie biete aber auch eine Chance: "Es muss uns gelingen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – zum Beispiel Gemeinschaftskonzepte zwischen Handel, Gastronomie, Kultur, aber auch Büronutzungen." Weitere Schließungen müssten verhindert werden.

Das Wohnen in Innenstädten könne attraktiver werden, zumal wegen des Trends zum Homeoffice weniger Büroräume gebraucht würden. "Ziel muss es sein, dem drohenden Ausbluten unserer Innenstädte aktiv zu begegnen", so Landsberg. Hierfür müssten sich Kommunen, Unternehmen, Insolvenzverwalter und Immobilieneigentümer an einen Tisch setzen.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa

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