Berliner Polizist raste Fabien M. (†21) tot und schweigt vor Gericht

Berlin - Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem tödlichen Zusammenstoß eines Funkstreifenwagens mit dem Auto der 21-jährigen Fabien beginnt am Dienstag (9.15 Uhr) der Prozess gegen einen Berliner Polizisten.

Der Polizeiwagen krachte in die linke Seite des Renault Clio der jungen Frau (21).
Der Polizeiwagen krachte in die linke Seite des Renault Clio der jungen Frau (21).  © dpa/Maurizio Gambarini

Dem heute 53-Jährigen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. 

Er soll laut Anklage am 29. Januar 2018 bei einer Einsatzfahrt mit überhöhter Geschwindigkeit durch "sorgfaltswidriges Verhalten" nahe dem Alexanderplatz in den Wagen der 21-Jährigen gekracht sein. 

Die Frau, die gerade einparken wollte, starb noch an der Unfallstelle. Wegen der Corona-Pandemie war der Prozess am Amtsgericht Tiergarten verschoben worden, er sollte nach langen Ermittlungen ursprünglich im März beginnen.

Laut Gericht geht es nicht um Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer. 

Diesen Anklagepunkt der Staatsanwaltschaft ließ das Gericht nicht zu. Die beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten darf demnach nicht als Beweismittel verwendet werden.

Der Fall hatte öffentlich hohe Wellen geschlagen. Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen. Die Polizei hatte direkt nach dem Unfall keinen Alkoholtest gemacht.

Update, 10.50 Uhr: Polizist schweigt 

Der Angeklagte hat sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zum Auftakt der Verhandlung ließ der 53-jährige Polizist am Dienstag über seinen Anwalt erklären, er werde gegenwärtig nichts dazu sagen. Zugleich trug der Anwalt an die Eltern der 21-Jährigen gerichtet vor, dem Polizeihauptkommissar gehe das "tragische, schreckliche Unfallgeschehen" bis heute sehr nahe. Es tue ihm "sehr, sehr leid".

Die Eltern der jungen Frau kamen ganz in Schwarz gekleidet ins Gericht. Sie sind Nebenkläger. Die Mutter stellte an ihrem Platz im Gerichtssaal ein Bild ihrer Tochter auf - gegenüber saß der Angeklagte.

Vor Prozessbeginn zeigten sich die Eltern verbittert. "Wir fühlen uns, als müssten wir uns auf die Anklagebank setzen", so die 49-jährige Mutter. Sie hätten keine Hilfe bekommen. "Man hat uns einfach allein gelassen, es war keiner da."

Titelfoto: dpa/Maurizio Gambarini

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