Boxweltmeister Manuel Charr vermittelt im Berliner Bandenkrieg

Berlin - Das Ende der Gewalt? Nachdem es am vergangenen Wochenende zu mehreren Gewaltausbrüchen zwischen verfeindeten Gruppierungen im Berliner Clan-Milieu gekommen ist, hat sich nun scheinbar der syrische Boxweltmeister Mahmoud "Manuel" Charr (36) als Vermittler in den Bandenkrieg eingeschaltet.

Boxweltmeister Mahmoud "Manuel" Charr (36) soll gemeinsam mit einem Neuköllner Geschäftsmann zwischen den rivalisierenden Gruppen vermittelt haben. (Archivfoto)
Boxweltmeister Mahmoud "Manuel" Charr (36) soll gemeinsam mit einem Neuköllner Geschäftsmann zwischen den rivalisierenden Gruppen vermittelt haben. (Archivfoto)  © Roland Weihrauch/dpa

Am Dienstagabend soll es in einer Neuköllner Moschee zu einem Treffen mit den Wortführern der rivalisierenden Gruppen gekommen sein, bei dem Charr und ein Neuköllner Geschäftsmann als Vermittler aufgetreten sein sollen, wie die Berliner Zeitung berichtet.

Bei Instagram veröffentlichte der Boxer ein Foto von der Versammlung, auf dem er gemeinsam mit sechs weiteren Personen an einem Tisch sitzt.

Dazu schreibt er: "✌🏻 peace in berlin Al Hamdullah es war keine Selbstjustiz sondern alles in Absprache mit der Polizei und meinem Freund Micheal Kuhr. @michael_mike_kuhr wenn ich 1% Frieden erzeugen kann, dann bin ich als Friedensbotschafter unterwegs." (Rechtschreibung übernommen)

In die Organisation des Treffens scheint also auch der Berliner Sicherheitsexperte und Ex-Kickbox-Weltmeister Michael Kuhr (58) involviert gewesen zu sein.

"Frieden ist immer besser als Krieg !!! Diplomatie, Respekt und Mut, kann wie man sieht, eine Menge positives bewirken. 🙏🏻Alhamdulillah", kommentiert er das Bild.

Boxweltmeister Mahmoud Charr veröffentlicht bei Instagram ein Foto von dem Treffen

In Berlin kommt es immer wieder zum Einsatz sogenannter Friedensrichter

Nach dem Sieg gegen Alexander Ustinow reckt Manuel Charr stolz den Weltmeistertitel in die Luft. (Archivfoto)
Nach dem Sieg gegen Alexander Ustinow reckt Manuel Charr stolz den Weltmeistertitel in die Luft. (Archivfoto)  © Guido Kirchner/dpa

Es scheint also, dass die Rivalen ihren Streit ausgeräumt und vorerst Frieden miteinander geschlossen haben. Diese Vorgehensweise ist dabei nicht ungewöhnlich.

Besonders in den stark muslimisch geprägten Bezirken Berlins kommen immer wieder sogenannte Friedensrichter zum Einsatz, die in einer Art islamischen Paralleljustiz für "Gerechtigkeit" außerhalb des deutschen Rechtssystems sorgen, wenn beispielsweise arabische Großfamilien in einen Konflikt miteinander geraten.

In seiner aktuellen Insta-Story äußert sich Charr zu dem Treffen: "Zwischen Tschetschenen und arabischen Leuten gibt es keine Probleme, Bruder. Wir sind Familie, wir sind Muslime, wir sind Geschwister! Alhamdulillah wir kommen alle von einem Haus."

Die Polizei Berlin hat am Donnerstag in einer Pressemitteilung jedoch dementiert, "Absprachen mit Herrn Charr geführt bzw. getroffen" zu haben. Zudem sei nicht bekannt, ob "Herr Charr tatsächlich, in der von ihm behaupteten Funktion zwischen den Konfliktparteien auftritt oder aufgetreten ist".

Der Profi-Boxer, der eine Zeit lang in Berlin-Wedding gelebt hat und zurzeit in Köln residiert, ist schon selbst mit der Justiz in Konflikt geraten. Im September 2015 wurde sogar ein Mordanschlag auf ihn verübt. Seit dem 25. November 2017 ist Mahmoud Charr regulärer Schwergewichtsweltmeister der WBA. Allerdings thront der britische WBA-Superchampion Anthony Joshua (31) noch über ihm.

Titelfoto: Roland Weihrauch/dpa

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