Crime-Messenger EncroChat geknackt: Großrazzia führt zu Verhaftungen

Berlin - Die Verhaftung von zwei Verdächtigen bei einer Großrazzia gegen Clankriminalität am Donnerstag in Berlin und Brandenburg geht nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf entschlüsselte Daten des Kurznachrichtendienstes EncroChat zurück.

Bei einer Pressekonferenz bestätigte Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt, dass die Verhaftungen bei der Großrazzia am Donnerstag auf entschlüsselte Nachrichten des Messengers EncroChat zurückgehen.
Bei einer Pressekonferenz bestätigte Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt, dass die Verhaftungen bei der Großrazzia am Donnerstag auf entschlüsselte Nachrichten des Messengers EncroChat zurückgehen.  © Christophe Gateau/dpa

"Beide Verhaftungen beruhten auf EncroChat", sagte Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt.

Laut Staatsanwaltschaft waren Datensätze, die von der französischen Polizei über das Bundeskriminalamt (BKA) nach Berlin gekommen seien, entscheidend, um Ermittlungen wegen Drogenhandels und Handels mit Kriegswaffen gegen die Männer im Alter von 44 und 22 Jahren zu führen.

Cloidt sprach von zehn bis 20 Maschinenpistolen, um die es unter anderem gegangen sei.

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Erkenntnisse über schwere Kriminalität, Drogen- und Waffenhandel habe man natürlich immer gehabt, sagte Cloidt. "Aber eben nicht in solcher Klarheit, wie sie uns jetzt durch EncroChat präsentiert werden."

Die Kriminellen hätten sich vor dem Abhören durch die Polizei sicher gefühlt und entsprechend frei miteinander kommuniziert.

Das Bundeskriminalamt informiert bei Twitter über den Erfolg der Großrazzia in Berlin und Brandenburg

EncroChat ist ein Kurznachrichtendienst, der vor allem von Kriminellen genutzt wird

Bei einer groß angelegten Razzia gegen Clankriminalität wurden am Donnerstag zwei Verdächtige verhaftet.
Bei einer groß angelegten Razzia gegen Clankriminalität wurden am Donnerstag zwei Verdächtige verhaftet.  © Christophe Gateau/dpa

EncroChat wurde vor allem von Kriminellen genutzt. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es im Vorjahr, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen, wie die europäische Justizbehörde Eurojust im Juli 2020 mitteilte.

60.000 Teilnehmer hätten den aufwendig verschlüsselten Chatdienst genutzt, weil es hieß, die Technik sei nicht zu knacken. Das Eindringen in die technische Infrastruktur des Anbieters habe "Schockwellen durch organisierte Verbrecherbanden quer durch Europa" geschickt.

Oberstaatsanwalt Georg Bauer sagte über die abgehörten und entschlüsselten Chats und Gespräche aus dem Zeitraum April bis Juni 2020: "Es handelt sich um Erkenntnisse, die ausgesprochen wertvoll sind und die zu Verfahren führen, die inhaltsschwer, die lohnend sind."

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Es gehe ausschließlich um Schwerstkriminalität und Bandenkriminalität. "Die Ermittlungsbehörden waren über diese Erkenntnisse, um es zurückhaltend auszudrücken, sehr erfreut."

Schon seit dem vergangenen Herbst habe es auch in Berlin nach der Entzifferung erste Ermittlungsverfahren gegeben, sagte Bauer. "Das wird sich mit weiterer Intensität fortsetzen. Wir werden in Zukunft noch viel über EnchroChat-Verfahren berichten und erfahren können."

Titelfoto: Christophe Gateau/dpa

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