Nach Anti-Rassismus-Demo in Berlin: Aktivisten prangern Polizeigewalt an

Berlin - Auch mehrere Tage nach der Großdemonstration gegen Rassismus in Berlin reißt die Kritik an dem Vorgehen der Polizei nicht ab.

Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt und halten Schilder mit der Aufschrift "Their lives mattered, no justice no peace und we demand equality" .
Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt und halten Schilder mit der Aufschrift "Their lives mattered, no justice no peace und we demand equality" .  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

"Schwarze und of Color Jugendliche haben unverhältnismäßige Polizeigewalt erfahren", sagte eine Sprecherin von einer Gruppe, die sich als "Schwarze Aktivist*innen" bezeichnen, am Dienstag in Berlin. 

"Es hat überwiegend nicht-weiße Menschen getroffen, obwohl es genauso viele weiße Menschen auf der Demo gab. Da müssen wir einfach von Rassismus sprechen."

Teilweise seien die festgenommenen Demonstrierenden bis in die Morgenstunden auf der Gefangenensammelstelle festgehalten worden. Eine Minderjährige sei von Beamten bespuckt und rassistisch beleidigt worden. 

"Für mindestens zwei Schwarze Teilnehmer endete die Demonstration nach polizeilichen Übergriffen im Krankenhaus", hieß es. Das werfe Fragen auf: "Warum wird nicht skandalisiert, wie hier mit jungen Menschen umgegangen wird? Warum hat die Polizei keine andere Strategie im Umgang mit jungen Menschen?"

Kurz nach der Demonstration waren verschiedene Videos von teilweise rabiaten Festnahmen in den sozialen Medien veröffentlicht worden. Auch von Vertretern der Linken und Grünen war Kritik an dem Einsatz laut geworden. "Die Bilder, die im Netz veröffentlicht wurden, werfen erhebliche Fragen auf", sagte Antje Kapek (43), Grünen-Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus. Sie forderte Aufklärung von Innensenator Andreas Geisel (54, SPD).

Die Berliner Polizei äußerte sich vorerst nicht zu den Vorwürfen. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in den USA hatten am Samstag Tausende auf dem Alexanderplatz gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Insgesamt waren laut Polizei 86 Menschen festgenommen worden - 26 davon seien unter 18 Jahren alt gewesen.

Die Aktivisten kritisierten auch Medienberichte als "Täter-Opfer-Umkehr". "Oft wurde unkommentiert die polizeiliche Darstellung reproduziert", hieß es in einer Stellungnahme.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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