Erneuter Streik bei Vivantes und Charité: Droht der Verhandlungs-Stopp?

Berlin - An den landeseigenen Krankenhäusern Vivantes und Charité in Berlin soll voraussichtlich ab diesem Donnerstag unbefristet gestreikt werden. Das teilte die Gewerkschaft Verdi am Montag nach Urabstimmungen mit.

Ein "Warnstreik"-Transparent hängt vor der Berliner Charité. Verdi ruft am Donnerstag erneut zur Arbeitsniederlegung an den landeseigenen Krankenhäusern Vivantes und Charité auf.
Ein "Warnstreik"-Transparent hängt vor der Berliner Charité. Verdi ruft am Donnerstag erneut zur Arbeitsniederlegung an den landeseigenen Krankenhäusern Vivantes und Charité auf.  © Jörg Carstensen/dpa

Sie rechne mit deutlich mehr als 1000 bis 2000 Beschäftigten, die in den Streik treten, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger. "Das wird sicherlich spürbar werden für die Unternehmen", so Jäger. Der Vorstand der Charité bedauert die angekündigten Streikmaßnahmen, wie ein Sprecher sagte.

Bei den Urabstimmungen in den Krankenhäusern sowie Vivantes-Tochterunternehmen stimmten jeweils rund 98 Prozent der teilnehmenden Mitglieder oder mehr für einen Streik, berichteten Vertreter.

Genaue Angaben zur Zahl der Verdi-Mitglieder veröffentliche die Gewerkschaft nicht, sagte Jäger. Es habe aber im Zuge der Warnstreiks in den vergangenen Tagen einen deutlichen Zuwachs von über 1800 Mitgliedern in den Krankenhäusern gegeben.

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Die Verhandlungen sollten unterdessen ursprünglich weiterlaufen. Am Montagmittag und am Mittwoch waren laut Jäger Gespräche mit Vivantes-Vertretern geplant.

Mittlerweile hat der Konzern jedoch angekündigt, im Falle eines Streiks weitere Tarifverhandlungen aussetzen zu wollen. Ein vertrauensvolles Gespräch setze voraus, dass parallel kein Streik stattfinde, teilte eine Sprecherin am Montag mit.

"Tarifergebnisse erzielt man nur am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße", sagte sie. Eine nachhaltige Lösung im Sinne der Gewerkschaftsforderungen könne aus Sicht von Vivantes zudem nur gemeinsam mit der Politik gefunden werden.

Vivantes droht bei Streik mit Verhandlungs-Stopp

Zahlreiche Pflegekräfte nehmen am 25. August an einer Kundgebung vor der Vivantes-Zentrale teil. Im Falle eines erneuten Streiks hat der Konzern mit einem Verhandlungs-Stopp gedroht.
Zahlreiche Pflegekräfte nehmen am 25. August an einer Kundgebung vor der Vivantes-Zentrale teil. Im Falle eines erneuten Streiks hat der Konzern mit einem Verhandlungs-Stopp gedroht.  © Jörg Carstensen/dpa

Für Mitarbeiter der Tochtergesellschaften erwarte Verdi bis Donnerstag ein Angebot der Geschäftsführung, sagte Verhandlungsführer Ivo Garbe.

Es sei ein großer Erfolg, dass wieder mit dem Arbeitgeber verhandelt werde. Im Fall der Charité ist die weitere Planung laut Jäger noch ungeklärt.

"Wir sind weiterhin jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen", sagte ein Charité-Sprecher. Derzeit stagnierten die Verhandlungen leider.

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"Wir hatten bei den Tarifverhandlungsterminen in der vergangenen Woche ein detailliertes, attraktives Angebot mit vielen unternehmensspezifischen Leistungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgelegt sowie Zahlenmaterial für die Gespräche zur Verfügung gestellt", so der Sprecher. Die Gewerkschaft habe ihre Forderungen aber noch nicht ausreichend konkretisiert.

Verdi hatte bereits mit einem dreitägigen Warnstreik den Krankenhausbetrieb in beiden Kliniken eingeschränkt. Die Gewerkschaft kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen.

Vorausgegangen waren auch gerichtliche Auseinandersetzungen. Unter anderem ging es um Notdienst-Regelungen.

Update, 17.04 Uhr: Vivantes will Pfleger mit neuem Modell entlasten

Im Tarifstreit mit der Gewerkschaft Verdi hat der Krankenhauskonzern Vivantes am Montag ein Modell vorgestellt, mit dem Belastungen für Pfleger reduziert werden sollen. Das Modell sehe vor, dass der Leistungsumfang der Krankenhäuser sich nach dem vorhandenen Personal richte, teilte eine Sprecherin mit.

Ziel sei es, die Versorgungsqualität zu verbessern und gleichzeitig die Belastung für Pflegekräfte zu begrenzen. Der Vivantes-Vorschlag sieht auch eine deutlich flexiblere Arbeitseinteilung vor. Das Modell müsse aber zunächst getestet werden.

"Im bestehenden Gesundheitssystem stellt uns das allerdings vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen. Daher werden wir gemeinsam mit Verdi Finanzierungsmöglichkeiten für dieses Vorhaben finden müssen", erklärte Personalgeschäftsführerin Dorothea Schmidt.

Vivantes und Verdi haben demnach weitere Arbeitstreffen vereinbart, in denen die Vorschläge gemeinsam konkretisiert werden sollen.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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