Festivalleiterin des Berliner Theatertreffens: Diskriminierung an Bühnen keinen Raum lassen

Berlin - Die Leiterin des Berliner Theatertreffens hat dafür geworben, öfter über neue Führungsstrukturen an Bühnen nachzudenken.

Yvonne Büdenhölzer (44), Leiterin des Theatertreffens, sitzt im Haus der Kulturen der Welt an der Technik.
Yvonne Büdenhölzer (44), Leiterin des Theatertreffens, sitzt im Haus der Kulturen der Welt an der Technik.  © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

"Es ist einfach an der Zeit, die traditionellen und eingeübten Machtstrukturen aufzubrechen und für Diskriminierung keinen Raum zu lassen", sagte Yvonne Büdenhölzer (44) der Deutschen Presse-Agentur vor Beginn des Festivals am Donnerstag (13. Mai).

"Wenn das nicht passiert, dann glaube ich, wird das Theater seine Glaubwürdigkeit als kritisches Reflexionsmedium verlieren", sagte Büdenhölzer. Auf der Bühne würden zwar kritische Themen verhandelt, aber hinter der Bühne sehe es häufig anders aus. "Wobei ich betonen möchte: Es ist nicht an allen Häusern so."

In der Theaterszene war zuletzt öfter über Diskriminierung und Machtmissbrauch diskutiert worden. Am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Berliner Staatsballett ging es um Rassismus. An der Berliner Volksbühne trat der Intendant nach Vorwürfen mehrerer Frauen zurück. Auch über das Arbeitsklima am Maxim Gorki Theater wurde diskutiert.

"Gerade kommen einige Fälle an die Öffentlichkeit, und das ist sicherlich für viele auch eine Ermutigung, nicht länger wegzuschauen", sagte Büdenhölzer, die mit dem Theatertreffen eines der wichtigsten Bühnenfestivals leitet. Seit der #MeToo-Bewegung seien Fragen von Diskriminierung jeglicher Art und damit auch von Führung und Verantwortung viel stärker in den Vordergrund gerückt.

Wegen der Corona-Pandemie muss das Festival erneut online stattfinden

Yvonne Büdenhölzer (44), Leiterin des Theatertreffens, lässt sich im Januar 2019 Rahmen einer Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen fotografieren. (Archivbild)
Yvonne Büdenhölzer (44), Leiterin des Theatertreffens, lässt sich im Januar 2019 Rahmen einer Pressekonferenz zum Berliner Theatertreffen fotografieren. (Archivbild)  © Jörg Carstensen/dpa

Büdenhölzer fände es sinnvoll, die künstlerische Leitung an Theatern öfter zu verteilen. Die "Idee vom Alleinherrscher an der Spitze eines Theaters" sei nicht mehr zeitgemäß.

Intendantinnen und Intendanten hätten natürlich schon geschäftsführende Direktorinnen und Direktoren an ihrer Seite. Sie frage sich aber, wie man auch die Intendanz sinnvoll aufteilen könne. Es gebe bereits positive Beispiele.

Das Berliner Theatertreffen zeigt jedes Jahr zehn bemerkenswerte Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Jury trifft die Auswahl - schon die Einladung gilt als Auszeichnung.

Wegen der Pandemie muss das Festival erneut online stattfinden - alle zehn Inszenierungen werden im Internet gezeigt.

Man kann sie kostenlos online schauen - oder auf freiwilliger Basis auch ein Ticket kaufen. Eröffnet wird das Theatertreffen am Donnerstagabend mit "Einfach das Ende der Welt" von Christopher Rüping am Schauspielhaus Zürich.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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