Giffey und Saleh neue SPD-Spitze in Berlin, Giffey macht direkt Ankündigung

Berlin - SPD verpasst sich neue Doppelspitze in der Hauptstadt: Rund zehn Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus haben die Berliner Sozialdemokraten neue Vorsitzende gewählt.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (42) und Fraktionschef Raed Saleh (43) bilden die neue Doppelspitze der Berliner SPD.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (42) und Fraktionschef Raed Saleh (43) bilden die neue Doppelspitze der Berliner SPD.  © Wolfgang Kumm/dpa

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (42) und Fraktionschef Raed Saleh (43) sollen die Partei, die die Hauptstadt gemeinsam mit Linken und Grünen regiert, aus einem Umfragetief herausholen und zu neuer Stärke führen.

Nach der Urnenwahl am Freitagabend gab die SPD am Samstagmorgen auf einem Online-Parteitag die Wahlergebnisse bekannt: Giffey kam auf eine Zustimmung von rund 89 Prozent der gültigen Stimmen, Saleh auf etwa 69 Prozent.

Giffey gab daraufhin bekannt, dass sie für die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021 als Spitzenkandidatin der SPD antreten will.

"Ich will Euch auch sagen, wenn Ihr es wollt, dann bin ich auch bereit, Eure Spitzenkandidatin zu sein für das nächste Jahr", sagte sie.

Der bisherige Parteichef Michael Müller (55), der auch Regierender Bürgermeister in einem rot-rot-grünen Bündnis ist, trat nicht noch einmal an. Er kandidiert im kommenden Jahr für den Bundestag.

Die SPD Berlin verkündet das Wahlergebnis bei Twitter

Franziska Giffey will Michael Müller bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 beerben

Der bisherige Parteichef und Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (55), trat nicht noch einmal an. Er richtet seinen Blick auf die Bundesebene und kandidiert im kommenden Jahr für den Bundestag.
Der bisherige Parteichef und Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (55), trat nicht noch einmal an. Er richtet seinen Blick auf die Bundesebene und kandidiert im kommenden Jahr für den Bundestag.  © Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa

Auf den Wechsel an der Parteispitze hatte sich die Berliner SPD-Führung bereits zu Beginn des Jahres verständigt. Hintergrund sind schlechte Umfragewerte, in denen sie schon lange nicht mehr stärkste Partei in der Hauptstadt ist.

Allerdings musste die SPD die Neuwahl wegen der Pandemie zunächst von Mai auf den 31. Oktober und dann auf November verschieben.

Giffey, die bis zu ihrem Wechsel in das Bundeskabinett Bürgermeisterin im Berliner Multi-Kulti-Bezirk Neukölln war, gilt als Hoffnungsträgerin der Berliner SPD. Sie wolle in ihrer neuen Funktion "anpacken", versprach sie in einer Rede am Freitagabend auf dem Parteitag.

Allerdings belastet die Politikerin derzeit die Affäre um mögliche Plagiate in ihrer Doktorarbeit.

Die Freie Universität Berlin (FU) erteilte ihr im Herbst 2019 wegen Mängeln in der Arbeit eine Rüge, entzog ihr aber nicht den Doktortitel.

Franziska Giffeys Wahl wird von der Affäre um ihre Doktorarbeit überschattet

Nach der Wahl zur Landesvorsitzenden kündigte Franziska Giffey auf einem Online-Parteitag an, dass sie 2021 als Spitzenkandidatin der SPD für die Berliner Abgeordnetenhauswahl antreten will.
Nach der Wahl zur Landesvorsitzenden kündigte Franziska Giffey auf einem Online-Parteitag an, dass sie 2021 als Spitzenkandidatin der SPD für die Berliner Abgeordnetenhauswahl antreten will.  © Gregor Fischer/dpa

Nach breiter Kritik an diesem Vorgehen kündigte die FU jüngst eine erneute Prüfung an, die bis zum Ende der Vorlesungszeit des Wintersemesters abgeschlossen sein soll - also bis Ende Februar.

Die Rüge für Giffey wurde zurückgezogen. Unter Druck hatte Giffey vor kurzem verkündet, auf ihren Doktortitel zu verzichten.

Angesichts der Corona-Pandemie hält die Berliner SPD ihren Parteitag, der am Freitag begonnen hatte und am Samstag fortgesetzt wurde, weitgehend online ab. Das betrifft Debatten, Reden sowie inhaltliche Beschlüsse.

Für Wahlgänge - im Tagesverlauf sollte der gesamte Vorstand neu bestimmt werden - gehen die Delegierten dann in die SPD-Kreisgeschäftsstellen, um ihre Stimmzettel in eine Wahlurne zu werfen.

Der Online-Parteitag sollte dazu zweimal unterbrochen werden.

Titelfoto: Wolfgang Kumm/dpa

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