Frau stirbt nach "Teufelsaustreibung": Wird Prozess um "islamischen Wunderheiler" ausgesetzt?

Berlin - Fast fünf Jahre nach dem Tod einer 22-jährigen Frau nach einer angeblichen Teufelsaustreibung hat der Prozess gegen drei Männer und eine Frau begonnen.

Schilder an der Fassade des Kriminalgerichts Moabit weisen die Staatsanwaltschaft Berlin und das Landgericht Berlin aus.
Schilder an der Fassade des Kriminalgerichts Moabit weisen die Staatsanwaltschaft Berlin und das Landgericht Berlin aus.  © Sonja Wurtscheid/dpa

Ihrem Ehemann, dessen Eltern und einem "islamischen Wunderheiler" wird vor dem Berliner Landgericht gemeinschaftliche Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Nach Verlesung der Anklage am Montag beantragte einer der Verteidiger wegen der "dramatischen Corona-Lage" die Aussetzung des Verfahren. Eine Verhandlung mit 30 Menschen im Saal sei nicht zu verantworten, begründete er. Das Gericht hat noch nicht darüber entschieden.

Die drei Familienangehörigen sollen die 22-Jährige über eine Woche hinweg mit einer gesundheitsschädlichen und zuletzt tödlichen Dosis Kochsalz im Wasser gegen ihre Kinderlosigkeit "behandelt" haben. 

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Sie hätten die junge Frau zwischen dem 30. November und 7. Dezember 2015 in einer Wohnung in Berlin-Tempelhof auf Rat des Heilers, einem sogenannten Hodscha, zu der "Behandlung" gezwungen. 

Der 49-jährige Heiler soll die Trinkprozeduren zeitweise mit Lesungen aus dem Koran begleitet haben. Ihm wird Mittäterschaft vorgeworfen.

Die 22-Jährige, die an einer Vorerkrankung und zusätzlich zur Tatzeit an einem Infekt gelitten habe, starb am 7. Dezember 2015 an einer Lungenembolie und einem Hirnödem in einem Krankenhaus

Ob sich die aus dem Libanon stammenden Verdächtigen, von denen drei die deutsche Staatsbürgerschaft haben, zu den Vorwürfen äußern werden, blieb zu Prozessbeginn offen. 

Titelfoto: Sonja Wurtscheid/dpa

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