Grüne wollen Berliner Außenbezirken mit Öffi-Offensive Vorrrang einräumen

Berlin - Die Spitzenkandidatin der Grünen für die Wahl zum Abgeordnetenhaus, Bettina Jarasch (52), will die Anbindung der Berliner Außenbezirke an den öffentlichen Nahverkehr verbessern.

Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch (52) spricht bei einer Konferenz im Dezember 2020 in Berlin.
Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch (52) spricht bei einer Konferenz im Dezember 2020 in Berlin.  © Annette Riedl/dpa

"Ich weiß genau, dass es in den Stadtrandlagen heute sehr mühsam ist, ohne eigenes Auto zurechtzukommen", sagte sie am Freitag bei einer Online-Landesdelegiertenversammlung ihrer Partei.

"Und deshalb wird unsere Priorität in den nächsten Jahren auf den Stadtrandlagen liegen", stellte Jarasch für den Fall eines Wahlsiegs in Aussicht.

"Unser Ziel ist eine Verdichtung des ÖPNV-Takts", erläuterte sie. "Fünf-Minuten-Takt in den dicht besiedelten und Zehn-Minuten-Takt in den weniger dicht besiedelten Gebieten."

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Wo keine Bahn fahre, sei eine "Bus-Offensive" nötig. Ergänzt werden müsse das Ganze um Rufbusse, Mietangebote an sogenannten Mobility Hubs für den Heimweg von der Bahnstation und um Kleinbusse für die Randzeiten.

Jarasch unterstrich ihr Ziel, Autos mit Verbrenner-Motoren für mehr Klimaschutz nach und nach aus der Stadt zu verbannen. Überall in Berlin würden mehr autofreie Kieze gebraucht - "zum Spielen, Ausruhen, Durchatmen", sagte sie.

Zudem machte sie sich für eine Null-Emissions-Zone (Zero Emission Zone) stark: Ab 2030 sollen demzufolge innerhalb des S-Bahn-Rings und "spätestens 2035" in der gesamten Stadt keine Autos mit fossilen Antrieben mehr fahren.

Auf dem Online-Parteitag wollen die Grünen bis Samstag über ihr Wahlprogramm beraten. Am Sonntag wird die Landesliste der Partei für die Bundestagswahl gewählt.

Update, 20.52 Uhr: Berliner Grüne beschließen Klimaplan: Verbrenner-Autos raus

Ein halbes Jahr vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus haben die Grünen ihren Plan für ein klimaneutrales Berlin beschlossen. Die Delegierten eines Online-Parteitages stimmten am Freitagabend für eine Null-Emissions-Zone (Zero Emission Zone): Ab 2030 sollen demzufolge innerhalb des S-Bahn-Rings keine Autos mit fossilen Antrieben mehr fahren, bis 2035 soll das Modell auf die ganze Stadt ausgeweitet werden.

Zudem sollen nach dem Willen der Öko-Partei bis 2025 alle landeseigenen Gebäude mit Solaranlagen ausgestattet sein und bis spätestens 2030 die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen.

Die Punkte bilden einen Schwerpunkt des grünen Programms für die Wahl am 26. September. Keine Mehrheit fanden nach Angaben eines Parteisprechers Anträge, die Null-Emissions-Zone schon 2025 umzusetzen beziehungsweise die Innenstadt bis dahin komplett autofrei zu machen, also etwa auch Elektro-Autos zu verbannen. Stattdessen sollen nach dem Willen der Grünen überall in der Stadt autofreie Kieze entstehen und Anreize geschaffen werden, damit Menschen freiwillig auf ihr Auto zu verzichten.

Darüber hinaus will die Partei Radverkehr, Bus und Bahn schnell ausbauen und vor allem die Außenbezirke besser anbinden. Der Tram-Ausbau soll dabei Vorrang haben, ein Ausbau der U-Bahn an Kriterien geknüpft werden wie ein stark steigendes Fahrgastaufkommen oder neue Umsteigemöglichkeiten. Eine Festlegung auf bestimmte U-Bahn-Linien lehnten die Delegierten nach Angaben des Parteisprechers ebenso ab wie einen Antrag auf grundsätzlichen Stopp des U-Bahn-Ausbaus.

Titelfoto: Annette Riedl/dpa

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