Heißes Pilotprojekt: Will Rot-Grün-Rot Pyrotechnik in Berliner Stadien erlauben?

Berlin - Beim Thema Pyrotechnik scheiden sich in Fußball-Deutschland die Geister: Die einen finden sie nervig, eklig und gefährlich und für die anderen gehören Pyro-Fackeln ins Stadion, um gute Stimmung zu erzeugen.

Kiels Mikkel Kirkeskov (30) hält sich im Nordderby im Bremer Pyro-Nebel die Nase zu. Fans des SV Werder Bremen haben insbesondere in der zweiten Halbzeit immer wieder Bengalos gezündet.
Kiels Mikkel Kirkeskov (30) hält sich im Nordderby im Bremer Pyro-Nebel die Nase zu. Fans des SV Werder Bremen haben insbesondere in der zweiten Halbzeit immer wieder Bengalos gezündet.  © Axel Heimken/dpa

Jüngstes (Negativ-)Beispiel: Im Nordderby zwischen der KSV Holstein Kiel und dem SV Werder Bremen haben die Fans von der Weser unzählige Bengalos in den Gästeblock des Holstein-Stadions geschmuggelt und immer wieder aufs Neue gezündelt.

Schiedsrichter Harm Osmers (36) musste in der zweiten Halbzeit das Spielgeschehen sogar mehrfach unterbrechen, weil die grün-weißen Schlachtenbummler so viel Rauch erzeugten, dass die Sicht im Strafraum der Störche beeinträchtigt wurde.

Immer wieder waren am Samstagabend Spieler zu sehen, die husteten und sich das Trikot über die Nase zogen. Einige Werder-Kicker gingen sogar zu ihren Fans, um sie zum Aufhören zu bewegen.

Berlin: Mit TikTok-Videos gegen Hetze: Pilotprojekt soll über Holocaust aufklären
Berlin Lokal Mit TikTok-Videos gegen Hetze: Pilotprojekt soll über Holocaust aufklären

Fakt ist, dass die DFB-Statuten das Abbrennen von Pyrotechnik in deutschen Stadien untersagen. Den Vereinen drohen sogar saftige Geldstrafen, wenn ihre Fans über die Stränge schlagen.

In Berlin könnte mit diesem Verbot nun jedoch bald Schluss sein, denn im Entwurf zum neuen Koalitionsvertrag ist eine Passage über ein Pyro-Pilotprojekt verankert.

Schrader: Berlin will mit Pyro-Pilotprojekt Forderung aus Fankreisen nachkommen

Union-Fans zünden im Conference-League-Spiel gegen Kuopio PS Pyros im Berliner Olympiastadion. Ein mögliches Pilotprojekt von Rot-Grün-Rot könnte das sichere Abbrennen von Pyrotechnik ermöglichen, um solche Szenen zu verhindern.
Union-Fans zünden im Conference-League-Spiel gegen Kuopio PS Pyros im Berliner Olympiastadion. Ein mögliches Pilotprojekt von Rot-Grün-Rot könnte das sichere Abbrennen von Pyrotechnik ermöglichen, um solche Szenen zu verhindern.  © Andreas Gora/dpa

In dem vorläufigen Papier heißt es: "Wir ermöglichen die Durchführung eines einjährigen Pilotprojekts zum sicheren Einsatz von Pyrotechnik beziehungsweise kalter Pyrotechnik bei Fußballspielen." Im finalen Vertragswerk taucht die Textstelle dann jedoch nicht mehr auf.

Nichtsdestotrotz erklärte der Linke Innenexperte Niklas Schrader (40) gegenüber "Bild", dass man damit einer Forderung aus Fankreisen nachkommen wolle. Es sei der Versuch, das Abbrennen sicherer zu kanalisieren, betonte er.

Durchsuchungen und Kontrollen seien schließlich nicht in der Lage, Pyrotechnik aus den Stadien fernzuhalten, so der Politiker weiter. Für das sichere Abbrennen müsse jedoch erst ein Konzept mit Sicherheitsleuten erarbeitet werden.

Berlin: Heikles Thema Zivilcourage: Polizei lobt Mann für seine Hilfe
Berlin Lokal Heikles Thema Zivilcourage: Polizei lobt Mann für seine Hilfe

Außerdem denkt Berlin darüber nach, die Profivereine an den anfallenden Sicherheitskosten zu beteiligen. Ein ähnliches Konzept fährt seit geraumer Zeit das Land Bremen, das dem SVW regelmäßig die Kosten von Polizeieinsätzen aufbrummt. Aus diesem Grund finden auch keine Länderspiele mehr im Weserstadion statt.

Diese Nachricht wird insbesondere die Hauptstadtklubs Hertha BSC und 1. FC Union Berlin nicht sonderlich erfreuen, da es in der Bundesliga immer wieder zu sogenannten Hochrisikospielen mit erhöhter Polizeipräsenz kommt, zu denen insbesondere das Hauptstadtderby zählt.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa, Axel Heimken/dpa (Bildmontage)

Mehr zum Thema Berlin: