Journalistin fordert: "Radikale Kompromisse braucht das Land!"

Berlin - Große Themen wie Klimawandel, Impfpflicht oder Energiewende bestimmen unseren politischen Diskurs. In einigen Debatten wird kontrovers diskutiert - aber wie können wir verhärtete Fronten verhindern und gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben?

Yasmine M'Barek (23) veröffentlicht am 2. März ihr Buch "Radikale Kompromisse".
Yasmine M'Barek (23) veröffentlicht am 2. März ihr Buch "Radikale Kompromisse".  © Annette Riedl/dpa

Yasmine M'Barek (23) plädiert für "Radikale Kompromisse". In ihrem Buch zeigt die "Zeit Online"-Journalistin, warum Kompromisse der Weg zur schrittweisen Veränderung sind - und untermauert ihre These anhand von großen Debatten in Politik und Gesellschaft.

Die 23-Jährige findet, Debatten in Deutschland seien fast immer fehlgeleitet. "Oft funktionieren sie über das Prinzip, es gibt ein Richtig und ein Falsch", sagt M'Barek im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Meist endeten diese in ideologischen Kämpfen. Eine Meinung, die die Demokratie nicht missachtet, sei prinzipiell akzeptabel, sagt M'Barek. "Im demokratischen Deutschland wird es niemals die einheitliche Meinung geben."

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M'Barek beschreibt den politischen Diskurs so: "Idealisten" auf der einen Seite setzten Impulse - und reibten sich an "Konservativen und Stagnierenden" auf der anderen Seite, die Stabilität bewahren wollen.

Dann gebe es noch die "realistische Mitte" - das könnten Liberale, Christsoziale, Sozialdemokraten oder Grüne sein - die zwischen den beiden Polen vermitteln. Im Idealfall sorge die Mitte dafür, dass ein bestmöglicher Kompromiss gefunden werde, der wieder den nächsten konstruktiven Diskurs ermöglicht.

Yasmine M'Barek: Eine Sache, die alle angeht, können nur alle lösen"

Yasmine M'Barek (23) beklagt, dass bei vielen Debatten nicht alle Menschen mitgedacht würden.
Yasmine M'Barek (23) beklagt, dass bei vielen Debatten nicht alle Menschen mitgedacht würden.  © Annette Riedl/dpa

Es gehe auch um die Deutungshoheit, die oft Konservative oder Stagnierende hätten. Deshalb sollten sich die Idealisten bewusst machen, wie sie die Mitte überzeugen könnten. Anschuldigungen und Polarisierungen seien kontraproduktiv.

Ein großes Problem sei auch, dass bei vielen Debatten nicht alle Menschen mitgedacht würden. "Eine Sache, die alle angeht, können nur alle lösen", sagt M'Barek, die regelmäßig in Polit-Talkshows zu Gast ist.

Es lohne sich immer wieder, anderen zuzuhören, alles nochmal neu aufzurollen und immer wieder zu diskutieren. "Keine Meinung muss bleiben", sagt M'Barek. Es sei nicht möglich, alle Perspektiven zu hören, aber es zu versuchen, werde den Horizont erweitern und die Diskussion nach vorne bringen.

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"Das ist auch der Grund, warum ich alle ermutigen möchte, Kompromisse zu schließen."

Titelfoto: Annette Riedl/dpa

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