Nach Kabelbrand bei S-Bahn: Linksextremistisches Bekennerschreiben aufgetaucht

Berlin - Ist eine linksradikale Gruppierung für den Kabelbrand bei der S-Bahn verantwortlich? Ein Bekennerschreiben der mutmaßlichen Täter stellt eine Verbindung der Tat mit der bevorstehenden Räumung des linksradikalen Symbolhauses Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain her. Muss sich Berlin auf weitere Anschläge gefasst machen?

Experten der Polizei untersuchen die Brandstelle zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Frankfurter Allee, wo am Montagmorgen ein Kabelbrand gelegt wurde.
Experten der Polizei untersuchen die Brandstelle zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Frankfurter Allee, wo am Montagmorgen ein Kabelbrand gelegt wurde.  © Morris Pudwell

Am Montagmorgen legte ein Kabelbrand zwischen den Bahnhöfen Ostkreuz und Frankfurter Allee den S-Bahnverkehr für mehrere Stunden lahm. Das Feuer konnte zwar schnell gelöscht werden, jedoch mussten viele Berufspendler auf Ersatzbusse umsteigen und kamen so zu spät zur Arbeit.

Die Polizei ging bei ihren Ermittlungen schnell von einer Brandstiftung aus und dieser Verdacht scheint sich nun bestätigt zu haben, denn bereits am Montagmittag tauchte im Internet ein vermeintliches Bekennerschreiben einer linksradikalen Gruppierung auf, die sich selbst "Feministisch-Revolutionär-Anarchistische-Zelle", kurz FRAZ, nennt.

Darin ist die Rede von einem "Lockdown fürs kapitalistische Patriarchat!" und einer Quittung "für die Räumung der Liebig 34".

Das linksradikale Symbolhaus in der Liebigstraße 34 soll planmäßig am 9. Oktober geräumt werden. Bereits im Vorfeld riefen linksradikale Gruppierungen zum Widerstand auf.

Aktivisten kündigen weitere Aktionen gegen die Stadt Berlin an

Das linksradikale Symbolhaus Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain soll am 9. Oktober geräumt werden. Die linksradikale Szene hat bereits Widerstand gegen die Zwangsvollstreckung angekündigt.
Das linksradikale Symbolhaus Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain soll am 9. Oktober geräumt werden. Die linksradikale Szene hat bereits Widerstand gegen die Zwangsvollstreckung angekündigt.  © Jörg Carstensen/dpa

In dem mutmaßlichen Bekennerschreiben kündigen die Aktivisten weitere Aktionen an, mit denen sie Berlin lahmlegen wollen: "Wir fahren die Stadt runter. Wir stoppen den Nahverkehr. Wir stiften Chaos in der Stadt. Wir behindern Arbeitsabläufe."

Müssen sich die Berliner also auf weitere Anschläge gefasst machen? Laut internen Unterlagen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, soll jedenfalls deutschlandweit die linksradikale Szene mobilisiert werden.

Gemäß Innenexperten gehören Brandanschläge zum "Standardrepertoire der Linksextremisten" um für Unruhe und Ablenkung zu sorgen.

Unterdessen sollen in der Liebigstraße 34 bereits Maßnahmen gegen die Räumung getroffen worden sein.

So heißt es aus Polizeikreisen, dass unter anderem Türen verstärkt und Balkone abgesperrt worden sein sollen.

Die Polizei Berlin weist die Anwohner bereits auf den anstehenden Einsatz in der Liebigstraße hin

Mutmaßliche Bekenner bringen auch die Räumung der Kiezkneipe "Syndikat" ins Spiel

Am 7. August wurde in Berlin-Neukölln die Kiezkneipe "Syndikat" von der Polizei geräumt.
Am 7. August wurde in Berlin-Neukölln die Kiezkneipe "Syndikat" von der Polizei geräumt.

Neben dem Widerstand gegen die bevorstehende Räumung von "Liebig 34" wird in dem Bekennerschreiben auch die bereits erfolgte Zwangsvollstreckung gegen die Kiezkneipe "Syndikat" aufgegriffen. "Das ist die Quittung für die Räumung des Syndikat", heißt es kurz und knapp.

Und weiter: "Gestörte Arbeitsabläufe, Verspätungen, kaputte Infrastruktur, economic damage: Jede Räumung, jede Zwangsräumung wird teuer werden für die Stadt."

Ob die Gruppe ihre Androhungen wahr machen wird, bleibt abzuwarten. Am 9. Oktober steht den Polizeibeamten aber aller Voraussicht nach ein harter Tag bevor, denn wenn die linksradikale Szene tatsächlich Ernst macht und den angekündigten Widerstand in der Liebigstraße 34 in die Tat umsetzt, dann könnte es zu Szenen kommen, die man sonst wohl nur von den Ausschreitungen am 1. Mai kennt.

Die Polizei hat jedenfalls vorsorglich Unterstützung aus dem gesamten Bundesgebiet angefordert. Für die Räumung von "Liebig 34" sollen mindestens 2500 Polizeibeamte zum Einsatz kommen, darunter auch Spezialeinheiten.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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