Kinderhilfswerk kritisiert 2G-Modell: "Kinderfeindlich und familienfeindlich"

Berlin - Keine Ausnahmen für Kinder unter zwölf Jahren: Das Deutsche Kinderhilfswerk hat das für Berlin beschlossene 2G-Optionsmodell kritisiert.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat die fehlende Ausnahme für Kinder unter zwölf Jahren im Zusammenhang mit der Einführung der 2G-Regel in Berlin kritisiert.
Das Deutsche Kinderhilfswerk hat die fehlende Ausnahme für Kinder unter zwölf Jahren im Zusammenhang mit der Einführung der 2G-Regel in Berlin kritisiert.  © Robert Schlesinger/dpa

"Kinderfeindlich und familienfeindlich" nannte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann es nach Angaben der "Welt", dass keine Ausnahmen vorgesehen sind, zumal die Ständige Impfkommission für diese Altersgruppe die Impfung gegen das Coronavirus nicht allgemein empfiehlt.

"Wir werden überprüfen, inwieweit hier ein verfassungsrechtlicher Widerspruch besteht", kündigte Hofmann demnach an. Der Senat hatte am Dienstag die Einführung eines 2G-Optionsmodells in der Hauptstadt beschlossen.

Für etliche Bereiche können die Betreiber dann selbst entscheiden, ob sie den Zutritt zu Innenräumen wie bisher Geimpften, Genesenen und Getesteten (3G) erlauben oder unter Wegfall etwa der Maskenpflicht und mit mehr Teilnehmern nur noch Geimpften und Genesenen (2G).

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Hier würden "auf dem Rücken der Kinder die Freizeitinteressen der Erwachsenen befördert", sagte Hofmann.

Eine Bar lässt nur noch den Eintritt von genesenen oder gegen das Coronavirus geimpften Personen zu. Nach der neuen 2G-Regel dürfen Betreiber für etliche Bereiche selbst entscheiden, ob sie auch getestete Personen einlassen wollen. (Symbolfoto)
Eine Bar lässt nur noch den Eintritt von genesenen oder gegen das Coronavirus geimpften Personen zu. Nach der neuen 2G-Regel dürfen Betreiber für etliche Bereiche selbst entscheiden, ob sie auch getestete Personen einlassen wollen. (Symbolfoto)  © Axel Heimken/dpa

Dilek Kalayci: Keine Ausnahme für Kinder unter zwölf Jahren, da auch 3G möglich sei

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (54, SPD) verkündete bei einer Pressekonferenz am Dienstag die Einführung eines 2G-Modells für Berlin.
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (54, SPD) verkündete bei einer Pressekonferenz am Dienstag die Einführung eines 2G-Modells für Berlin.  © Paul Zinken/dpa

"Die Gastronomen beispielsweise werden lieber ihr Restaurant mit Geimpften vollmachen, als weiter mit halber Kapazität zu operieren und dafür auch Familien zu empfangen."

Und niemand habe an die Situation der Familien oder Sportvereine gedacht, die für die Gesundheit der Kinder so wichtig seien.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (54, SPD) hatte am Dienstag erklärt, warum es keine Ausnahme für Kinder unter zwölf Jahren oder Menschen mit bestimmten Erkrankungen, die gar nicht geimpft werden können, gibt.

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Es sei ja auch 3G möglich - und 2G mit Ausnahmen sei faktisch 3G, argumentierte sie. Kritik kam unter anderem von der Spitzenkandidatin der Grünen für die Abgeordnetenhauswahl, Bettina Jarasch (52).

"Es darf nicht dazu kommen, dass Kinder etwa wieder vom Theater oder Sport ausgenommen werden. Ich erwarte, dass hier schnell nachgebessert wird", sagte sie der "B.Z.".

Update, 9.08 Uhr: Giffey fordert 2G-Ausnahme für Kinder

SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey (43) hat am Mittwoch eine Ausnahme von der 2G-Regel für Kinder unter zwölf Jahren gefordert.
SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey (43) hat am Mittwoch eine Ausnahme von der 2G-Regel für Kinder unter zwölf Jahren gefordert.  © Kay Nietfeld/dpa

Für Kinder unter zwölf Jahren muss es aus Sicht von SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey (43) eine Ausnahme von der Zugangsbeschränkung auf Geimpfte und Genesene (2G) geben. "Die gestrige Entscheidung des Berliner Senats zum Optionsmodell 2G muss korrigiert werden", forderte Giffey am Mittwoch auf Twitter.

"Kinder unter 12 können noch nicht geimpft werden", argumentierte Giffey. "Sie und ihre Familien werden so massiv bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben benachteiligt." Eine höhere Impfquote müsse erreicht werden, aber nicht auf Kosten von Kindern und ihrer Familien.

Auch die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus verlangte Ausnahmen für Kinder sowie für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

"Kinder haben in der Corona-Pandemie auf so vieles verzichten müssen, das für ihr Aufwachsen essenziell ist", teilten die Vorsitzenden Antje Kapek (44) und Silke Gebel (38) mit. Sie dürften nicht schon wieder benachteiligt und ausgeschlossen werden.

Titelfoto: Robert Schlesinger/dpa, Paul Zinken/dpa (Bildmontage)

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