Prozess um getötete Leonie (†6) wird neu aufgerollt!

Neubrandenburg - Der Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow in Vorpommern muss in Teilen neu verhandelt werden.

Jörg Fenger (v.l.n.r.), Verteidiger, und der angeklagte Stiefvater im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow warten im Landgericht auf die Urteilsverkündung.
Jörg Fenger (v.l.n.r.), Verteidiger, und der angeklagte Stiefvater im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow warten im Landgericht auf die Urteilsverkündung.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Wie das Landgericht Neubrandenburg am Montag mitteilte, hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil gegen den Stiefvater teilweise aufgehoben. 

So habe der BGH gerügt, dass die Schwurgerichtskammer "keine eindeutigen Feststellungen zu einem eventuellen Tötungsvorsatz" des Verurteilten schon während der schweren Misshandlungen getroffen hat. 

Das sei jedoch "für die rechtliche Einordnung eines anschließenden Verdeckungsmordes entscheidend". Somit müsse eine andere Kammer des Landgerichts diesen Teil des Motivs noch einmal näher beleuchten.

Das sogenannte äußere Tatgeschehen habe der BGH aber bestätigt. Das Landgericht hatte den 28-jährigen Stiefvater im Januar 2020 wegen Mordes durch Unterlassen, Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 

Die Anwälte des Verurteilten, der seit Ende Januar 2019 in Untersuchungshaft sitzt, hatten Revision eingelegt. Der Verurteilte hatte vor Gericht die tödlichen Verletzungen des Kindes als Folge eines Treppensturzes dargestellt. Das nahmen ihm die Richter aber nach sehr umfangreicher Prüfung nicht ab.

Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Rettungskräfte und die Polizei verfolgten erst den vom Stiefvater ins Spiel gebrachten Treppensturz, fanden dann aber in der Wohnung mehrfach nicht erklärbare Blutspuren sowie immer mehr Ungereimtheiten. 

Das Mädchen sei Opfer einer Bestrafung geworden, vermutlich als es mit dem Puppenwagen der Mutter zum Einkaufen hinterhergehen wollte, hatte Richter Jochen Unterlöhner die Strafe begründet. 

Leonies Stiefvater täuschte Notruf vor

Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01.2019 eine Sechsjährige ums Leben kam.
Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12.01.2019 eine Sechsjährige ums Leben kam.  © Stefan Sauer/dpa

Der Stiefvater habe Leonie mit einem Sicherungsbügel mehrfach gegen den Kopf geschlagen und schwer verletzt. An dem Bügel wurden später Leonies DNA-Spuren entdeckt.

Eine Gutachterin hatte bei ihr zudem mehrere Wunden am Kopf, darunter schwere Hirnverletzungen, gefunden, die nicht durch einen Sturz erklärbar waren. 

Als die Mutter vom Einkauf zurückgekommen sei, hatte der Stiefvater verhindert, dass für die im Bett liegende Leonie sofort Hilfe geholt wurde. Er hatte die Mutter stattdessen angewiesen, sich um das gemeinsame Baby zu kümmern. 

Später habe er einen Notruf nur vorgetäuscht. "Das war die Verdeckungsabsicht. Er wollte verhindern, dass das Mädchen jemandem etwas erzählt", hatte Unterlöhner erläutert.

Bei rechtzeitiger Hilfe hätte das Kind nach Ansicht einer Gutachterin vielleicht überleben können.

Dass ein neuer Prozess noch 2020 beginnt, sei "wenig wahrscheinlich", sagte eine Sprecherin.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0