Dutzende Festnahmen bei Köpi-Räumung: Polizei löst Linken-Camp auf

Berlin - Es war eines der letzten Symbolprojekte der linksautonomen Szene in Berlin: Hunderte Polizisten haben am Freitag das Wagencamp "Köpi-Platz" in Berlin-Mitte geräumt. Die Bewohner der Bauwagen neben einem 1990 besetzten Altbau hatten Widerstand angekündigt und sich hinter einem hohen Zaun verbarrikadiert.

Die Berliner Polizei ist mit Räumfahrzeugen angerückt.
Die Berliner Polizei ist mit Räumfahrzeugen angerückt.  © Fabian Sommer/dpa

Auf der Straße und auf Twitter wiederholten Unterstützer trotzig "Köpi bleibt". Mit gepanzerten Räumfahrzeugen schafften es die Beamten aber dann doch auf das Gelände und führten die rund 40 Bewohner schließlich einen nach dem anderen hinaus.

Genaugenommen diente der Einsatz mit bis zu 2000 Polizisten nur dazu, einer Gerichtsvollzieherin Zutritt zu verschaffen, die ihrerseits einen gerichtlichen Räumungsbeschluss im Sinne des Grundstückseigentümers umsetzte. Dieser hatte schon im Juni vor dem Landgericht Berlin geklagt und Recht bekommen. Ein Einspruch der Bewohner vor dem Kammergericht scheiterte. Die Polizei betonte am Freitag, dass sie nur im Zuge der Amtshilfe tätig geworden sei.

Die Bewohner hatten erklärt, sie würden am "Tag X" nicht "kampflos" aufgeben. Das Wagencamp präsentierten sie als autonomen, von Profitgier bedrohten Freiraum und als Zuhause für Dutzende Menschen. Ihr Anwalt Moritz Heusinger sagte am Freitag, die Bewohner seien "am Rande des Nervenzusammenbruchs" und fürchteten um ihre Lebensgrundlage.

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Wie weit die Gegenwehr gehen würde, war aber schwer einzuschätzen. Kurz vor der Räumung brüllte eine Frau vom Inneren des Geländes per Megafon den Polizisten ein wütendes "Verpisst euch!" entgegen. Einige Menschen stiegen auf dem Gelände auf Bäume, um die Polizeiaktion zu stoppen.

Hunderte Menschen wehrten sich mit einem Rave einmal mehr gegen die Räumung der Köpi-Wagenburg.
Hunderte Menschen wehrten sich mit einem Rave einmal mehr gegen die Räumung der Köpi-Wagenburg.  © Dominik Totaro

"Köpi"-Bewohner wollen nicht kampflos aufgeben

Die Bewohner kündigten Widerstand an.
Die Bewohner kündigten Widerstand an.  © Fabian Sommer/dpa

Die Polizei hatte ihrerseits den Einsatz tagelang vorbereitet und die Umgebung schon am Donnerstag abgesperrt. Neben Berliner Beamten wurden 700 Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei herbeigeordert.

Als kurz vor der Räumung am Freitagvormittag immer mehr Gegendemonstranten zu drei angemeldeten Kundgebungen strömten, gab es heftige Rangeleien mit Polizisten. "Köpi"-Unterstützer prangerten auf Twitter das Vorgehen der Beamten an. Die Polizei meldete in einer vorläufigen Bilanz 21 Festnahmen.

Aus Sicht der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus hätte die Eskalation durchaus vermieden werden können. Der Eigentümer habe das Grundstück über Makler zum Verkauf angeboten und sich in Verhandlungen bereit gezeigt, es an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen, teilte die Linksfraktion mit.

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Kaufpreis, Kaufvertrag und Notartermin hätten bereits festgestanden. "Dann ließ der Eigentümer die Verhandlungen platzen." So wolle "der Immobilienkonzern hier offenbar den Wert seines Spekulationsobjektes durch eine Räumung erhöhen lassen", mutmaßte die Linksfraktion.

Vor Gericht hatte der Eigentümer hingegen auf seine Bauabsichten verwiesen. Am Freitagnachmittag sah es so aus, als hätte er seine Interessen erst einmal durchgesetzt. Allerdings war die linksautonome Szene nach dem, was auf Twitter gepostet wurde, immer noch in Aufruhr.

Schon in den vergangenen Nächten waren in Berlin immer wieder Autos beschädigt oder in Brand gesteckt und Scheiben eingeworfen worden. Für Freitagabend hatten Unterstützer des "Köpi" in Berlin eine weitere Demonstration angemeldet. Auch in Hamburg trommelte die Szene zur Solidaritätsdemo unter dem Motto "Defendköpi".

Das 1990 besetzte Gebäude neben dem Wagenplatz - das Hinterhaus eines Altbaus ohne Vorderhaus - war übrigens von der Räumung nicht betroffen. Neben Wohnungen in den oberen Stockwerken gibt es im Keller und den unteren Geschossen einen Konzertraum, eine Kletterwand, eine kleine Sporthalle und ein Kino.

Bewohner werden von den Polizisten abgeführt.
Bewohner werden von den Polizisten abgeführt.  © Fabian Sommer/dpa

Update, 21.45 Uhr: Demonstration nach Räumung des linken Wagencamps "Köpi"

Aus Protest gegen die Räumung des linken Wagencamps "Köpi-Platz" in Berlin-Mitte sind am Freitagabend rund 2000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten in Kreuzberg, größere Zusammenstöße gab es nach dpa-Beobachtungen nicht. An mehreren Orten wurden Bengalos und Feuerwerk gezündet.

Die Bewohner hatten erklärt, sie würden am "Tag X" nicht "kampflos" aufgeben. Im Internet gab es einen Aufruf, die Stadt am Freitagabend in Scherben zu legen. In Hamburg trommelte die Szene zur Solidaritätsdemo unter dem Motto "Defendköpi".

Am Abend sind in Berlin rund 2000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Räumung des linken Wagencamps "Köpi-Platz" zu demonstrieren.
Am Abend sind in Berlin rund 2000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Räumung des linken Wagencamps "Köpi-Platz" zu demonstrieren.  © Dominik Totaro

Update, 13.47 Uhr: Polizei holt Dutzende Bewohner aus dem Wagencamp

Die Polizei hat die Zahl der Bewohner, die aus dem Camp geholt wurden nach oben korrigiert. Bis zum frühen Nachmittag waren es 37, wie die Polizei mitteilte. Bei ihnen seien die Personalien aufgenommen worden. Neun Personen saßen noch auf Bäumen auf dem Areal. Eine Polizeisprecherin sprach von 21 Festnahmen im Zuge des Einsatzes. Das schließe die Demonstrationen rund um das Gelände an der Köpenicker Straße mit ein.

Begleitet von Polizisten betrat am frühen Nachmittag eine Gerichtsvollzieherin das Gelände. Sie begutachtete das Grundstück, das wieder dem Besitzer übergeben werden soll. Dieser hatte vor dem Berliner Landgericht die Räumung erwirkt.

Update, 12.44: Polizei holt Bewohner aus dem Wagencamp "Köpi"

Bei der Räumung des linksautonomen Wagencamps "Köpi" hat die Polizei am Freitag mehrere Bewohner vom Gelände geführt. Bei ihnen seien die Personalien aufgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Bisher wurden den Angaben zufolge 19 Bewohner von dem Gelände geholt. Der Polizeieinsatz war gegen Mittag noch im Gange.

Beamte seien mit schwerem Gerät auf den Platz des Wagencamps an der Köpenicker Straße vorgerückt, sagte die Polizeisprecherin.

Dort seien sie mit Flaschen und Steinen beworfen und teils mit Feuerlöschern attackiert worden. Polizisten hätten selbst Pfefferspray eingesetzt. Angaben über Verletzte oder Festnahmen gab es zunächst nicht.

Update, 10.45: Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten

Schon vor der gestarteten Räumung ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei rund um das abgesperrte Gelände gekommen. Reporter vor Ort beobachteten, wie Beamte und Unterstützer des Projekts aneinander gerieten. Die Polizei hatte in Seitenstraßen Hunderte Beamte und Räumgerät zusammengezogen.

Auf hohen Bäumen auf dem sogenannten Köpi-Platz waren vor der Räumung Personen zu sehen. Eine Sprecherin des Projekts rief vor Beginn der Polizeiaktion per Megaphon, ein Vormarsch auf das Gelände würde Menschenleben gefährden.

Man lasse sich "das nicht gefallen", sagte sie und beschimpfte die Polizei. Vom Gelände stieg auch Rauch auf.

Beamte, die versuchen den Zaun öffnen, werden mit Feuerlöscher besprüht.
Beamte, die versuchen den Zaun öffnen, werden mit Feuerlöscher besprüht.  © Dominik Totaro

Update, 10.30 Uhr: Polizei beginnt mit der Räumung

Wie die Polizei auf Twitter berichtet, hat die Räumg mittlerweile begonnen. Die Beamten versuchten, mit technischem Gerät auf das Gelände an der Köpenicker Straße vorzurücken, auf dem sich Bewohner hinter einem hohen Zaun verschanzt hatten.

Die Protestler antworten mit Stein- und Flaschenwürfe.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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