Mordfall Leonie (†6): Stiefvater schweigt zu Beginn des Revisionsverfahrens

Neubrandenburg - Mord aus "niederen Beweggründen"? Der gewaltsame Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow in Vorpommern beschäftigt ab Dienstag (10 Uhr) noch einmal das Landgericht Neubrandenburg.

Im Revisionsprozess gegen den 29-jährigen Stiefvater soll ermittelt werden, ob im Fall der getöteten Leonie ein Mord aus "niederen Beweggründen" vorliegt. (Archivfoto)
Im Revisionsprozess gegen den 29-jährigen Stiefvater soll ermittelt werden, ob im Fall der getöteten Leonie ein Mord aus "niederen Beweggründen" vorliegt. (Archivfoto)  © Bernd Wüstneck/ZB/dpa

In einem Revisionsprozess wird die Motivlage des Stiefvaters genauer geprüft. Der 29-Jährige war Anfang 2020 wegen Mordes durch Unterlassen, Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Er hatte das Kind schwer misshandelt und nach Auffassung der Richter verhindert, dass rechtzeitig Hilfe geholt wurde.

Der Verurteilte hatte Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte die Gesamtstrafe aufgehoben und die Überprüfung der Motivlage angeordnet.

Zu klären sei, ob der Stiefvater bereits bei den Schlägen in der Wohnung "einen Tötungsvorsatz hatte". Damit würde sich das Mordmerkmal ändern. Es wäre dann nicht mehr "Verdeckungsabsicht", sondern "niedere Beweggründe".

Das sogenannte äußere Tatgeschehen hatte der BGH nach Angaben des Landgerichtes aber bestätigt.

Die sechsjährige Leonie wurde am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie aufgefunden

Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht während des Mordprozesses mit einem Hefter. (Archivfoto)
Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht während des Mordprozesses mit einem Hefter. (Archivfoto)  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Der Stiefvater gab damals an, das Mädchen sei eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt und später an den Verletzungen gestorben.

Das Gericht folgte dem nicht. Nach Einschätzung der Richter hatte die Mutter vor Gericht - ohne Öffentlichkeit - glaubhaft geschildert, wie Leonie und ihr damals zwei Jahre alter Bruder mehrfach vom Stiefvater misshandelt worden waren.

Zuletzt sei die Sechsjährige Opfer einer Bestrafungsaktion des Mannes geworden, hatte der Richter erklärt.

Die Familie, zu der auch noch ein gemeinsames Baby der Mutter mit dem Stiefvater gehörte, war erst wenige Monate vor dem Todesfall von Wolgast nach Torgelow gezogen. Leonie war zwar in einer Kita angemeldet worden, dort aber über Wochen nicht erschienen.

Für das Revisionsverfahren sind drei Verhandlungstage bis 15. Februar geplant, bisher ohne Zeugen.

Update, 13.13 Uhr: Stiefvater schweigt zu Beginn des Prozesses

Der 29-jährige Stiefvater lehnte am ersten Verhandlungstag ab, sich zur Anklage zu äußern. "Wir haben eine Erklärung unseres Mandanten vorbereitet", sagte Anwalt Raitor. Diese sei "ergänzend zu den Angaben im ersten Prozess".

In der Revisionsverhandlung soll geprüft werden, ob der Stiefvater schon bei den schweren Misshandlungen tagsüber ein Mordmotiv hatte, erklärte der Gerichtssprecher. Damit würde es sich um einen "Mord aus niederen Beweggründen" und nicht mehr "Mord durch Unterlassen" handeln. Die Verteidigung will ihrerseits darlegen, dass ihr Mandant den Tod des Mädchens nicht geplant hatte und hofft auf diesem Wege auf eine mildere Bestrafung.

Der Prozess soll am 8. Februar fortgesetzt werden. Dann soll erneut die Mutter angehört werden. Das Revisionsverfahren wird von zwei gerichtsmedizinischen und psychiatrischen Sachverständigen begleitet. Mit einem Urteil wird bisher frühestens Mitte Februar gerechnet.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/ZB/dpa

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