"Mieter sind keine Zitronen": Demonstration gegen Ausquetschung durch Miet-Haie

Berlin – Trotz strömenden Regens haben am Samstag in Berlin mehrere Hundert Menschen gegen steigende Mieten protestiert. Die Veranstalter riefen dabei immer wieder zum Einhalten der Corona-Regeln auf. Das klappte nicht immer, die Polizei griff aber nicht ein.

Der Zug einer Demonstration eines großen Bündnisses von Initiativen gegen steigende Mieten zieht über die Potsdamer Straße. Auf einem Banner ist zu lesen "Deutsche Wohnen & Co enteignen".
Der Zug einer Demonstration eines großen Bündnisses von Initiativen gegen steigende Mieten zieht über die Potsdamer Straße. Auf einem Banner ist zu lesen "Deutsche Wohnen & Co enteignen".  © Christoph Soeder/dpa

Mehrere Hundert Menschen haben am Samstag in Berlin gegen steigende Mieten demonstriert. Im Dauerregen trafen sich die Demonstranten am Potsdamer Platz und forderten etwa den Stopp von Zwangsräumungen. Die Redner riefen immer wieder zum Abstandhalten auf. Das klappte nicht immer, die Polizei griff aber nicht ein. 

Die meisten Menschen waren mit Maske gekommen. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im hohen dreistelligen Bereich.

Auf Plakaten waren Sprüche wie "Mieter sind keine Zitronen", "Bezahlbare Mieten statt hohe Renditen" und "Wohnen ist Grundrecht" zu lesen. 

Ein Redner bezeichnete das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum als Geheimrezept gegen die Corona-Pandemie. Wer Wohnraum habe, stehe sich nicht auf den Füßen.

Bei der Demonstration gab es immer wieder Solidaritätsbekundungen mit Wohnprojekten und Kiezkneipen wie dem Syndikat in Neukölln, die von Zwangsräumungen bedroht sind. Auch das Volksbegehren "Deutsche Wohnen und Co. enteignen" bekam viel Zuspruch.

"Vergesellschaftung statt Profitlogik"

Der Zug einer Demonstration eines großen Bündnisses von Initiativen gegen steigende Mieten zieht über die Potsdamer Straße. Das Motto der Demonstration lautet: "Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!"
Der Zug einer Demonstration eines großen Bündnisses von Initiativen gegen steigende Mieten zieht über die Potsdamer Straße. Das Motto der Demonstration lautet: "Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!"  © Christoph Soeder/dpa

Vom Potsdamer Platz aus zogen die Aktivisten auf der Potsdamer Straße in Richtung Schöneberg. 

Der Protestzug war dabei in mehrere Teile geteilt: vorneweg marschierten einige Dutzend vermummte Menschen mit Flaggen antifaschistischer Gruppierungen, die zur Verteidigung der Rigaer Straße 94 und dem Besetzen von leerstehenden Wohnungen aufriefen.

Auf einem Plakat war "Nie wieder Miete – Vergesellschaftung statt Profitlogik" zu lesen. Laut Polizei verlief der Protestzug friedlich, es habe keine Zwischenfälle gegeben.

Das Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn wollte mit dem Protestzug das Problem hoher Wohnkosten in Erinnerung rufen. Seit Jahren gebe es in deutschen Städten eine Mieten- und Wohnungskrise, weil die Wohnungsmärkte auf die Profitinteressen von Eigentümern und Investoren ausgerichtet seien.

Die Initiatoren warnen vor einer Zwangsräumungs- und Verdrängungswelle im Herbst, wenn Mieter ihre Mietschulden aus der Corona-Krise nicht zurückzahlen könnten. 

Der Berliner Mietendeckel habe das Problem nicht gelöst.

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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