Prozess nach Kopfschuss-Mord in Berlin: Erste Zeugen erwartet

Berlin - Im Prozess um einen mutmaßlichen Auftragsmord in Berlin werden am Donnerstag ab 9 Uhr erste Zeugen am Kammergericht erwartet. Die Verhandlung gegen einen Russen hatte am Mittwoch begleitet von großem öffentlichen Interesse begonnen.

Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort. Am 23. August 2019 wurde im Kleinen Tiergarten in Berlin ein 55-jähriger Georgier erschossen. Am Donnerstag werden erste Zeugen in dem Prozess gegen den mutmaßlichen Täter erwartet.
Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort. Am 23. August 2019 wurde im Kleinen Tiergarten in Berlin ein 55-jähriger Georgier erschossen. Am Donnerstag werden erste Zeugen in dem Prozess gegen den mutmaßlichen Täter erwartet.  © Christoph Soeder/dpa

Dem laut Bundesanwaltschaft 55-Jährigen wird vorgeworfen, im Auftrag staatlicher russischer Stellen einen Georgier tschetschenischer Abstammung mit einer Schalldämpfer-Pistole getötet zu haben.

Die beiden Zeugen sollen zur Tatzeit am 23. August 2019 gegen Mittag in dem Park Kleiner Tiergarten gewesen sein. Zum Prozessauftakt im Hochsicherheitssaal 700 des Kriminalgerichts äußerte sich der russische Angeklagte in einer Panzerglasbox nicht zu den Vorwürfen. Nach seinen Angaben ist er 50 Jahre alt.

Die höchste deutsche Anklagebehörde wirft dem Russen Mord und illegalen Waffenbesitz vor. Der mutmaßliche Mörder soll drei Schüsse abgefeuert haben, zwei davon in den Kopf des bereits am Boden liegenden 40-Jährigen, der am Tatort starb.

Das Opfer, das seit 2016 als Asylbewerber in Deutschland lebte, musste aus Sicht von Bundesanwalt Ronald Georg sterben, weil er für die russische Regierung ein Staatsfeind gewesen sei und im Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft habe.

Der Ausgang des Prozesses dürfte erhebliche Auswirkungen auf das deutsch-russische Verhältnis haben. Sollte erwiesen werden, dass ein Tötungsauftrag aus Moskau kam, wäre dies ein weiterer Rückschlag für das ohnehin schwer angeschlagene Verhältnis beider Länder. Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hat für diesen Fall Konsequenzen angekündigt.

Update, 13.20 Uhr: Zeuge sagt aus

Er habe zunächst einen Knall wahrgenommen und kurz danach gesehen, wie ein Mann "nach meiner laienhaften Einschätzung war es eine Schusswaffe" - gezielt gegen den Kopf eines am Boden Liegenden richtete. Dann habe es einen zweiten Schuss gegeben, berichtet ein Zeuge am Donnerstag. Es habe ihn überrascht, wie langsam und ruhig der Mann danach zu einem Fahrrad im Kleinen Tiergarten ging. Dieser habe trotz Hochsommers lange Kleidung getragen.

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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