Entschuldigung reicht aus: Springer-Chef wird seine kuriose SMS verziehen

Aktualisiert: 24. November, 17.21 Uhr

Berlin - Zeitungsverleger haben eine Entschuldigung des Verbandspräsidenten und Springer-Chefs Mathias Döpfner (58) zu einer umstrittenen privaten SMS angenommen.

Eine veröffentlichte SMS des Springer-Chefs Mathias Döpfner (58) sorgte für reichlich Gesprächsbedarf.
Eine veröffentlichte SMS des Springer-Chefs Mathias Döpfner (58) sorgte für reichlich Gesprächsbedarf.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) teilte am Mittwoch nach einer regulären Sitzung des Präsidiums mit: "Mathias Döpfner stellte zu Beginn der Sitzung das Zustandekommen und den Kontext seiner privaten Äußerung noch einmal dar und bekräftigte seine inhaltliche Distanzierung und ausdrückliche Entschuldigung. Nach einer eingehenden Diskussion haben die Präsidiumsmitglieder Döpfners Erläuterungen und Argumente mit großer Mehrheit für stimmig befunden und seine Bitte um Entschuldigung akzeptiert."

Der Chef des Axel-Springer-Konzerns (Bild, Welt) hatte in der älteren Kurznachricht den vormaligen und seit einigen Wochen von seinen Aufgaben entbundenen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt (41) als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den "neuen DDR-Obrigkeitsstaat" aufbegehre.

Fast alle anderen seien zu "Propaganda Assistenten" geworden.

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Die US-Zeitung New York Times hatte im Oktober in einem Bericht aus der SMS zitiert und sie so öffentlich gemacht.

Präsidium hält nach angekündigter Sitzung zu Mathias Döpfner

Die Erklärungen von Mathias Döpfner (58) reichen dem Präsidium aus, um ihm zu verzeihen. (Archivbild)
Die Erklärungen von Mathias Döpfner (58) reichen dem Präsidium aus, um ihm zu verzeihen. (Archivbild)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Springer hatte den Inhalt der SMS danach als Ironie eingeordnet. In der Verlagsbranche gab es Kritik, zum Teil wurde sie auch öffentlich geäußert. Döpfner hatte in einem Schreiben an die Verlage dann sein Bedauern ausgedrückt. Zugleich bat er um Unterstützung "bei den verbandlichen Aufgaben".

Der Verband kündigte dann an, dass das Präsidium in der nächsten Sitzung über die Kritik an der SMS reden würde.

Das Gremium hielt in der Sitzung am Mittwoch laut Verbandsangaben fest, dass unstreitig sei, dass die Diskussion über "angebliche Haltungen und Standpunkte" des Präsidenten dem Verband nicht gutgetan habe.

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Die Formulierungen in der Textnachricht seien selbstverständlich inakzeptabel, das Präsidium habe sich einmütig zu unabhängigem Journalismus sowie Presse- und Meinungsfreiheit bekannt.

Der BDZV teilte auch mit: "Nach der konstruktiven Diskussion stelle dies aber keinen Grund dar, die sehr erfolgreiche Arbeit des Präsidiums in den vergangenen Jahren infrage zu stellen."

Springer-Chef Mathias Döpfner hätte Konsequenzen seiner SMS akzeptiert

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) veröffentlichte Anfang November ein Interview mit Döpfner, in dem die Zeitung auf Stimmen verwies, die seinen Rücktritt als Verbandspräsident forderten und fragte, ob er zurücktrete. Der Springer-Chef antwortete unter anderem: Der Verband habe viel erreicht, das Wichtigste liege noch vor ihm.

Zugleich sagte Döpfner: "Aber wenn eine Mehrheit der Mitglieder findet, dass ich durch eine sehr unglückliche Formulierung in einem privaten Meinungsaustausch zur Belastung für den Verband geworden bin, dann werde ich das selbstverständlich akzeptieren."

Titelfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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