Überfälle und viele Verletzte: Tobt in Berlin ein Bandenkrieg mit Clan-Beteiligung?

Berlin - Wird die Hauptstadt von einem blutigen Bandenkrieg heimgesucht? Mehrere brutale Angriffe von Dutzenden Schlägern und Messerstechern am Wochenende in Berlin könnten auf einen Bandenkrieg zwischen einem arabischen Clan und einer russisch-tschetschenischen Gruppe hindeuten.

Eine Kriminaltechnikerin sichert Spuren an einem Tatort. Der sich möglicherweise anbahnende Bandenkrieg zwischen einer bekannten arabischen Großfamilie und einer rivalisierenden russisch-tschetschenischen Gruppe hat am vergangenen Wochenende zu mehreren großen Gewaltausbrüchen in Berlin geführt. (Symbolfoto)
Eine Kriminaltechnikerin sichert Spuren an einem Tatort. Der sich möglicherweise anbahnende Bandenkrieg zwischen einer bekannten arabischen Großfamilie und einer rivalisierenden russisch-tschetschenischen Gruppe hat am vergangenen Wochenende zu mehreren großen Gewaltausbrüchen in Berlin geführt. (Symbolfoto)  © Paul Zinken/dpa

Die für organisierte Kriminalität (OK) zuständige Abteilung im Landeskriminalamt (LKA) habe die drei Vorfälle an sich gezogen, um die Zusammenhänge zu prüfen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Insgesamt wurden bei den zwei Überfällen am Samstagabend in den Stadtteilen Neukölln und Gesundbrunnen und dem dritten Gewaltausbruch am Sonntagabend erneut in Gesundbrunnen elf Männer verletzt.

Sechs Russen wurden festgenommen und wieder entlassen. Unter den Beteiligten waren auch "Mitglieder einer bekannten Großfamilie", so die Polizei.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärt: "Wir haben schon länger mit derartigen Auseinandersetzungen zwischen arabischstämmigen Gruppierungen und Tschetschenen gerechnet, da letztere sich nicht mehr als Söldner anstellen lassen wollen, sondern selbst ein großes Stück vom Kuchen haben möchten."

Für diese Männer gehöre Gewalt und Kampferprobung zur Erziehung, zum Teil seien sie selbst im Krieg gewesen.

Gewerkschaft der Polizei: Tschetschenen wollen nicht länger nur Söldner sein.

Immer wieder geht die Polizei mit Razzien gegen die organisierte Kriminalität in Berlin vor. (Symbolfoto)
Immer wieder geht die Polizei mit Razzien gegen die organisierte Kriminalität in Berlin vor. (Symbolfoto)  © Paul Zinken/dpa

"Dass sie eine bekannte arabische Großfamilie praktisch in den eigenen vier Wänden in Neukölln heimsuchen, zeigt uns, dass sie keine Skrupel davor haben, den Kampf um lukrative Geschäftsfelder der Organisierten Kriminalität auf die Straße zu bringen."

Die erste Schlägerei ist am frühen Samstagabend in einem Spätkauf in Neukölln ausgebrochen. Bis zu 30 Männer gehen dabei mit Messern, Fäusten, Einrichtungsgegenständen und Wasserpfeifen aufeinander los, wie die Polizei berichtet.

Unter den Angegriffenen sind die Mitglieder des bekannten Clans. Fast alle Beteiligten fliehen. Nur drei Männer bleiben schwer verletzt in dem Geschäft liegen.

Die Polizei fasst in der Umgebung sechs Russen im Alter von 17 bis 31 Jahren als mutmaßliche Täter. Der 31-Jährige hat eine Kopfverletzung. Die Männer werden verhört und wieder entlassen.

Die drei Männer im Geschäft kommen mit "teilweise schweren Kopf- und Schnittverletzungen" ins Krankenhaus.

Die Gewerkschaft der Polizei macht bei Twitter auf die Vorfälle aufmerksam

Innerhalb von zwei Tagen gab es drei große Gewaltausbrüche zwischen rivalisierenden Banden

Nach einer Razzia im Clan-Milieu wird ein Verdächtiger von der Polizei abgeführt. (Symbolfoto)
Nach einer Razzia im Clan-Milieu wird ein Verdächtiger von der Polizei abgeführt. (Symbolfoto)  © Paul Zinken/dpa

Drei Stunden später eskaliert die Gewalt im Stadtteil Gesundbrunnen nahe dem Wedding im Norden Berlins: Am großen Bahnhof Gesundbrunnen mit einem Einkaufcenter stehen fünf Männer um einen Sportwagen mit offenen Türen herum, als drei Autos herangefahren kommen.

Zehn Männer springen heraus. Sie greifen die Fünfer-Gruppe mit Messern und Schlagstöcken an. Danach entkommen sie unerkannt. Zurück bleiben mehrere Russen, ein Deutscher und ein Syrer mit Platzwunden am Kopf. Einer von ihnen wurde zudem in den unteren Rücken gestochen.

Am Sonntag, der nächste Überfall erneut an dem Bahnhof: Wieder taucht eine größere Gruppe von 20 Männern auf. Sie greifen einen 31-jährigen und einen 43-jährigen Russen an.

Tschetschenische Banden spielen seit Jahren eine Rolle im kriminellen Milieu der Hauptstadt. In dem Bereich gebe es sichtbare Gewalt, hieß es vor einem Jahr im Zusammenhang mit dem Lagebild des LKA zur organisierten Kriminalität.

Bei fast der Hälfte der 59 großen Ermittlungskomplexe zum Thema organisierte Kriminalität ging es um Rocker, Tschetschenen oder Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien, die vor allem aktiv sind im Drogenhandel, der Zwangsprostitution und Schutzgelderpressung.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa

Mehr zum Thema Berlin:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0