Unbekannte Täter beschädigen Dutzende Objekte in Berliner Museen

Berlin - Unbedachter Streich oder politisches Statement? Dutzende Ausstellungsobjekte sind einem Bericht der Zeit und des Deutschlandfunks zufolge auf der Berliner Museumsinsel von Unbekannten beschädigt worden.

Die Alte Nationalgalerie ist im Licht der aufgehenden Sonne zu sehen. Dutzende Ausstellungsobjekte sind einem Bericht der Zeit und des Deutschlandfunks zufolge auf der Berliner Museumsinsel von Unbekannten beschädigt worden. (Symbolfoto)
Die Alte Nationalgalerie ist im Licht der aufgehenden Sonne zu sehen. Dutzende Ausstellungsobjekte sind einem Bericht der Zeit und des Deutschlandfunks zufolge auf der Berliner Museumsinsel von Unbekannten beschädigt worden. (Symbolfoto)  © Christoph Soeder/dpa

Laut Zeit handelt es sich um einen "der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands".

Ein oder mehrere unbekannte Täter hätten mindestens 70 Objekte im Pergamonmuseum, dem Neuen Museum, der Alten Nationalgalerie und an anderen Standorten mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt, die sichtbare Flecken hinterlassen habe, hieß es in dem Bericht.

Darunter seien ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen und Gemälde des 19. Jahrhunderts. 

Die Vorfälle sollen sich bereits am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, zugetragen haben und bislang nicht öffentlich gemacht worden sein. Ob der Tag absichtlich gewählt wurde, war zunächst unklar.

Auf Anfrage von Zeit und Deutschlandfunk hätten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Polizei bestätigt, dass es Beschädigungen an Ausstellungsobjekten gebe, hieß es in dem Bericht.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung sei eingeleitet worden. Zu den Motiven des Täters oder der Täter war zunächst nichts bekannt.

Dem Tagesspiegel zufolge wurden Besucher, die für den 3. Oktober Museumstickets gebucht hatten, vom Landeskriminalamt angeschrieben und dringend um Mithilfe gebeten.

Update, 12.05 Uhr: Die Polizei sucht Zeugen und was hat Attila Hildmann (39) mit dem Fall zu tun?

Der Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann (39) verbreitet seine Theorien bei einer Demonstration am 29. August 2020 mit einem Megafon. Was hat er aber mit den Beschädigungen der Museumsstücke zu tun?
Der Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann (39) verbreitet seine Theorien bei einer Demonstration am 29. August 2020 mit einem Megafon. Was hat er aber mit den Beschädigungen der Museumsstücke zu tun?  © Kay Nietfeld/dpa

Die Berliner Polizei sucht im Fall der beschädigten Kunstwerke auf der Museumsinsel nach Zeugen.

"Es wird in alle Richtungen ermittelt", sagte ein Sprecher am Mittwoch zu Berichten, dass ein Verschwörungstheoretiker eine Rolle spielen könnte.

Die Spekulationen seien der Polizei bekannt. Nähere Informationen zu dem Fall gab es zunächst nicht. Die Polizei kündigte jedoch eine Mitteilung an.

Bei dem nicht näher genannten Verschwörungstheoretiker soll es sich laut Bild um Attila Hildmann (39) handeln.

Dieser hatte im Vorfeld der Tat das Pergamon Museum als "Thron Satans" und "Zentrum der globalen Satanisten-Szene und Corona Verbrecher" bezeichnet.

Ob Hildmann tatsächlich in diesen Vorfall aktiv verwickelt ist, wurde bislang nicht bestätigt.

Zeugenaufruf der Polizei Berlin:

Wer hat am 3. Oktober 2020 zwischen 10 und 18 Uhr auf der Berliner Museumsinsel verdächtige Personen oder Feststellungen in Bezug auf die dort verübten Sachbeschädigungen gemacht? Wem sind am Tattag entsprechende Beschädigungen an Exponaten der betroffenen Museen aufgefallen? Wer hat sonst außergewöhnliche Vorgänge wahrgenommen, die scheinbar nicht zum Alltagsgeschehen auf der Museumsinsel passen?

Hinweise bitte an das LKA 444 am Tempelhofer Damm 12 in 12101 Berlin-Tempelhof unter der Rufnummer (030) 4664-944409 oder an jede andere Polizeidienststelle.

Update, 14.35 Uhr: Bisher umfangreichster Schaden an Kunstwerken auf Museumsinsel

Spuren der Sachbeschädigungen sind an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum zu sehen. Die Beschädigung der übrigen Exponate fällt ähnlich aus.
Spuren der Sachbeschädigungen sind an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum zu sehen. Die Beschädigung der übrigen Exponate fällt ähnlich aus.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Nach den Attacken auf Kunstobjekte gehen die Staatlichen Museen zu Berlin vom bisher umfangreichsten Schaden für die Häuser der Museumsinsel aus.

Insgesamt sind nach Angaben von Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin Museen, 63 Objekte betroffen, darunter drei oder vier Leihgaben.

Ein Gesamtschaden könne erst nach Ende der Restaurationsarbeiten benannt werden, sagte Haak am Mittwoch in Berlin während einer Pressekonferenz von Museen und Polizei.

Betroffen sind Neues Museum, Pergamonmuseum und Alte Nationalgalerie.

Zu der verwendeten Flüssigkeit sollte es aus ermittlungstaktischen Gründen keine näheren Angaben geben. Die Flüssigkeit war demnach farblos, nicht ätzend und ölig. Wie sie aufgebracht wurde, ist ebenfalls noch nicht klar.

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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