Autobahn-Attentäter wurde Stunden vor der Tat von Polizei gesucht

Berlin - Dem Staatsschutz war Sarmad A. (30) laut Aussage von Innensenator Andreas Geisel (54, SPD) zwar nicht bekannt, dennoch war die Polizei ihm vor der Tat unwissentlich auf der Spur.

Stunden vor der Tat suchte die Polizei nach einer "verwirrten Person" in der Kögelstraße. Dabei handelte es sich um den mutmaßlichen Attentäter Sarmad A. (30).
Stunden vor der Tat suchte die Polizei nach einer "verwirrten Person" in der Kögelstraße. Dabei handelte es sich um den mutmaßlichen Attentäter Sarmad A. (30).  © Screenshot/Facebook

Der Angreifer von der Berliner Stadtautobahn war vor dem islamistischen Anschlag mit einem Auto nicht im Blick der Sicherheitsbehörden in der Hauptstadt.

Es habe keine Staatsschutzerkenntnisse zu dem 30-jährigen Iraker und keine Anzeichen für eine Radikalisierung gegeben, sagte ein Sprecher der Innenverwaltung am Donnerstag. "Er war nicht auf dem Radar."

Aufgefallen sei der Mann, der mit einer Duldung in Deutschland lebt, in der Vergangenheit aber mit Delikten wie Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Auffällig geworden ist Sarmad A. laut BZ auch Stunden vor dem Anschlag. Nachbarn aus der Kögelstraße riefen gleich zweimal die Polizei, weil der Iraker offenbar verwirrt auf der Straße umherlief und auf Autodächer schlug.

Die verständigten Polizisten konnten die "verwirrte Person" jedoch nicht auffinden.

Der Hausmeister des Mietshauses, in der der mutmaßliche Attentäter gewohnt hat, beschreibt Sarmad A. als gewaltbereit und aggressiv. Er soll oft auf der Straße herumgelaufen sein und dabei laut "Allahu akbar" gerufen haben.

Ein anderer Augenzeuge berichtet, dass Sarmad A. seinen Autoschlüssel wie eine Trophäe in die Luft gehalten und dabei laut in Arabisch gerufen haben soll, bevor er sich an einer Wasserpumpe wusch und zu beten begann.

Update, 13.50: Andreas Geisel: Autobahn-Angreifer konnte nicht abgeschoben werden

Innensenator Andreas Geisel (54, SPD) begründet die Duldung des Täters in Deutschland.
Innensenator Andreas Geisel (54, SPD) begründet die Duldung des Täters in Deutschland.  © Jörg Carstensen/dpa

Nach dem islamistischen Angriff auf der Berliner Stadtautobahn hat Innensenator Andreas Geisel die Duldung des Täters in Deutschland mit den Regeln des Rechtsstaates begründet. Der 30-jährige Iraker sei nach Ablehnung seines Asylantrages 2017 nicht abgeschoben worden, weil Deutschland seit Jahren keine Menschen in das Bürgerkriegsland zurückschicke, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus.

Es gebe zwar Ausnahmen, etwa bei Menschen, die schwerste Straftaten begangen haben. Die vor dem Anschlag vorliegenden Erkenntnisse über den 30-Jährigen seien dafür indes nicht ausreichend gewesen.

Geisel zufolge kam der Iraker 2016 über Finnland nach Deutschland. Strafrechtlich sei er wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Erscheinung getreten. "Der Staatsschutz hat ihn zwar als einen Bekannten eines Gefährders hier in Berlin registriert", so der Senator weiter. Sie hätten gemeinsam in einem Wohnheim gelebt. Das sei aber "schon eine ganze Weile her".

"Wir handeln rechtsstaatlich und haben das auch in diesem Fall getan", versicherte Geisel. "Ich bedauere zutiefst, dass es zu diesem Gewaltakt gekommen ist." Hätte die Polizei das verhindern können, dann hätte sie das auch getan, zeigte sich der Senator überzeugt.

Titelfoto: Screenshot/Facebook

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