Weihnachtsmarkt-Anschlag: Hatten Islamisten Kontakte ins Berliner Clan-Milieu?

Berlin - Mit dem früheren Geheimdienstkoordinator des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche (67), wird an diesem Donnerstag zwar ein prominenter Zeuge im Bundestag befragt.

Polizeibeamte stehen im Rahmen einer Razzia in Berlin vor einem Haus. (Symbolbild)
Polizeibeamte stehen im Rahmen einer Razzia in Berlin vor einem Haus. (Symbolbild)  © Paul Zinken/dpa-zb-Zentralbild/dpa

Noch interessanter finden die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zum Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz aber zwei andere Zeugen.

Die Verfassungsschützer sollen zu einem sehr merkwürdigen Vorgang aussagen - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern hatte wenige Wochen nach dem Anschlag einen brisanten Hinweis geliefert: Anis Amri, der am 19. Dezember 2016 in Berlin einen Lastwagenfahrer erschoss und dann mit dem Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt elf weitere Menschen tötete, soll Kontakte zu einem kriminellen Clan in Berlin gehabt haben.

Im Raum steht der Verdacht, Angehörige des Clans könnten ihm bei der Beschaffung der Tatwaffe und bei seiner Flucht aus Berlin geholfen haben. Amri floh nach dem Anschlag über Frankreich nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Wie im Ausschuss bekannt wurde, soll der Hinweis des Verfassungsschützers damals von Vorgesetzten nicht an die Ermittler weitergeleitet worden sein.

Inzwischen befasst sich der Generalbundesanwalt mit der Sache.

Update, 17.49 Uhr: Verbindung von Weihnachtsmarkt-Attentäter zu Clan-Kriminellen unklar

Ein Zeuge hat im Untersuchungsausschuss des Bundestages einzelne Kontakte zwischen gewaltbereiten Islamisten und kriminellen Clans nicht ausgeschlossen.

Soweit ihm bekannt sei, habe es aber auch nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 keine Hinweise auf "eine strukturierte Zusammenarbeit im größeren Stil" zwischen der Organisierten Kriminalität und Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland gegeben, sagte der Zeuge, der damals im Bundeskanzleramt mit der Fachaufsicht der Terrorismusabteilung des Bundesnachrichtendienstes befasst war.

Er sei damals davon ausgegangen, dass der Attentäter Anis Amri als "Einzeltäter" gehandelt habe, sagte sein damaliger Vorgesetzter, der frühere Geheimdienstkoordinator des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche. Auf die Frage, ob es womöglich doch Mittäter gegeben habe, antwortete Fritsche, dies könne er aus heutiger Sicht nicht ausschließen.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und den Fahrer getötet. Anschließend raste er mit dem Fahrzeug über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche, wo elf weitere Menschen starben und Dutzende verletzt wurden.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollten am Donnerstagabend zwei ehemalige Mitarbeiter des Verfassungsschutzes von Mecklenburg-Vorpommern befragt werden.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa-zb-Zentralbild/dpa

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