Weitere Kritik nach Beisetzung von Neonazi an Grabmal von jüdischem Wissenschaftler

Berlin - Der Fall Henry H. (†49) schlägt immer höhere Wellen: Jetzt hat auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein (53), die Beisetzung des Holocaust-Leugners auf der früheren Grabstätte eines jüdischstämmigen Wissenschaftlers kritisiert.

Das Grabmal des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers Dr. Max Friedlaender (1852-1934) auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Am Fuße des Grabsteins ist am vergangenen Freitag die Urne des Holocaust-Leugners Henry H. (†49) beigesetzt worden.
Das Grabmal des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers Dr. Max Friedlaender (1852-1934) auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf. Am Fuße des Grabsteins ist am vergangenen Freitag die Urne des Holocaust-Leugners Henry H. (†49) beigesetzt worden.  © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

"Es ist tatsächlich ein äußerst unglücklicher Fehler, der hier unterlaufen ist", teilte Klein der Deutschen Presse-Agentur mit.

"Ich habe bereits mit den Beteiligten gesprochen und die Verantwortlichen haben glaubhaft versichert, den Fall gründlich intern aufzuarbeiten und künftig Strukturen zu schaffen, dass so etwas nicht mehr passiert."

Der Neonazi war der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zufolge am vergangenen Freitag auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf auf der ehemaligen Grabstätte des Musikwissenschaftlers Max Friedlaender (1852-1934) beigesetzt worden.

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Friedlaender war laut EKBO jüdischstämmiger Protestant. Die Landeskirche hatte nach eigenen Angaben entschieden, die Anfrage nach einer Grabstätte nicht abzulehnen, weil jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte habe.

Berliner Landesbischof Christian Stäblein entschuldigt sich für "schrecklichen Fehler"

Der Berliner Landesbischof Christian Stäblein (54) hat den Vorfall als "schrecklichen Fehler" bezeichnet und sich für den Vorgang entschuldigt.
Der Berliner Landesbischof Christian Stäblein (54) hat den Vorfall als "schrecklichen Fehler" bezeichnet und sich für den Vorgang entschuldigt.  © Jörg Carstensen/dpa

Die Friedhofsleitung lehnte den ersten Wunsch für die Grabstätte ab und wählte dann die ehemalige Grabstätte Friedlaenders.

Der Berliner Landesbischof Christian Stäblein (54) hat zugesagt, alle rechtlichen Schritte zu prüfen, um den Vorgang rückgängig zu machen. Er will Friedlaender ein ehrendes Gedenken auf dem Friedhof bewahren.

Stäblein entschuldigte sich zugleich. "Die Bestattung eines Holocaust-Leugners auf der Grabstätte von Max Friedlaender ist ein schrecklicher Fehler und ein erschütternder Vorgang angesichts unserer Geschichte."

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Der Antisemitismusbeauftragte von Berlin, Samuel Salzborn (44), hatte am Dienstag Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe erstattet.

Er vermutet, dass Rechtsextremisten bewusst das Grab gewählt haben, um die Totenruhe zu stören. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (67), hatte erklärt, die Bestattung sei unerträglich.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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