So kämpft Chemnitz gegen illegale Schmierereien!

Chemnitz - Immer wieder kommt es im Stadtbild zu hässlichen Graffiti-Schmierereien. Viele sind politischer Natur. Die Schäden liegen meist im fünfstelligen Bereich. Die Stadt kämpft mit allen Mitteln, um Fassaden, Flächen, Denkmale und Gebäude sauber zu halten.

CVAG-Busse sind immer wieder im Visier von Vandalen. Dieser wurde sogar auf einem Betriebshof mit Parolen besprüht.
CVAG-Busse sind immer wieder im Visier von Vandalen. Dieser wurde sogar auf einem Betriebshof mit Parolen besprüht.  © Harry Härtel/Haertelpress

Blick in die Polizeistatistik: 2016 registrierte die Polizeidirektion Chemnitz rund 1000 Sachbeschädigungen durch Graffiti, 2020 waren es nur noch 621 - offiziell also etwa 40 Prozent weniger Straftaten durch illegale Sprayer.

Doch der schöne Schein trügt - längst nicht mehr werden alle Schmierereien auch gemeldet.

Zumal viele der Betroffenen das Anzeigen bei der Polizei aufgegeben haben, weil in der Regel kein Täter ermittelt werden kann und man so oder so allein auf dem Schaden sitzen bleibt.

Chemnitz: Mein Baum für Sachsen: MP Kretschmer pflanzt mit Unterstützung 300 Eichen
Chemnitz Mein Baum für Sachsen: MP Kretschmer pflanzt mit Unterstützung 300 Eichen

So zeigte die Stadtverwaltung zuletzt nur noch verfassungswidrige Sachen an, denn diese müssen sofort entfernt werden.

Dafür gibt es Profis - wie Tamas Pados (33) von der Firma "Heinrich Schmid". Er musste auch schon am Marx-Monument politische Slogans wegschrubben.

"Zur Reinigung wird ein Kraftlöser aufgetragen, dieser wird nach dem Einwirken händisch entfernt. Danach gibt es Heißwasser durch den Kärcher", so Pados zum Prozess.

Er ist derzeit mindestens einmal pro Woche im Reinigungs-Einsatz, neben Aufträgen für die Stadtverwaltung auch oft für Wohnungsgenossenschaften.

Diese setzen aber mittlerweile auf Sprayer, um zum Beispiel Fassaden zu verschönern.

Er weiß, wie's geht: Tamas Pados (33) hat auch schon den "Nischel" von dick aufgetragenen Slogans befreit.
Er weiß, wie's geht: Tamas Pados (33) hat auch schon den "Nischel" von dick aufgetragenen Slogans befreit.  © Bildmontage: Ralph Kunz (2)

Die "analoge" Art ist noch lange nicht ausgestorben

Einer ist Guido Günther mit seiner Agentur "RebelArt" (Brühl 67). "Wir haben auch Trafostationen für Versorger 'eins' gestaltet und arbeiten mittlerweile deutschlandweit", sagt der Koordinator eines etwa 20 Menschen großen Sprayer-Teams.

Günther kennt die Chemnitzer Graffiti-Szene seit den Neunzigern: "Sie hat sich verändert: Ist über mehrere Generationen hinweg kleiner geworden. Auch Ultra- oder rechte Graffiti gab es früher nicht.

Das Sprayen im öffentlichen Raum - wegen der guten Sichtbarkeit - hat zugunsten von Aktionen in leerstehenden Gebäuden abgenommen."

Die dort entstandenen Werke werden dann als Foto oder Video in sozialen Medien gepostet, dort kann sie theoretisch die ganze (Internet-)Welt sehen.

Doch die "analoge" Art ist noch lange nicht ausgestorben. Vor vier Jahren überzog eine Sprayer-Gruppe Chemnitz mit Aggro-Männchen.

Guido Günther und sein Team von "RebelArt" kennen die Szene und machen Häuserfassaden und Trafohäuschen schöner.
Guido Günther und sein Team von "RebelArt" kennen die Szene und machen Häuserfassaden und Trafohäuschen schöner.  © Sven Gleisberg
Aggro-Männchen wie hier an der Georgbrücke prägten eine Zeit lang die Stadt.
Aggro-Männchen wie hier an der Georgbrücke prägten eine Zeit lang die Stadt.  © Sven Gleisberg

CVAG-Fahrzeuge werden immer wieder Opfer von Farbanschlägen.

"Die Kosten für die Entfernung von Graffiti lagen im Jahr 2020 bei circa 35.000 Euro", weiß CVAG-Sprecherin Juliane Kirste.

Die Stadt Chemnitz gab bereits bis zu 47.200 Euro (2016) jährlich zur Reinigung aus.

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress

Mehr zum Thema Chemnitz: