#BlackLivesMatter in Chemnitz: Plötzlich Spontankundgebung vor Polizeidirektion

Chemnitz - Mindestens 1500 Demonstranten kamen am Nachmittag ins Chemnitzer Zentrum, um dem vermutlich durch Polizeigewalt verstorbenen George Floyd (†46) zu gedenken.

Acht Minuten und 46 Sekunden dauerte das stille Gedenken an.
Acht Minuten und 46 Sekunden dauerte das stille Gedenken an.  © Harry Haertel

Zu der Demo unter dem Namen der amerikanischen Bewegung "Black Lives Matter" trafen sich die Teilnehmer um 14 Uhr am Roten Turm. Polizisten waren nur in überschaubarer Anzahl vor Ort.

Aufgerufen zu der Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt hatte das Bündnis "Chemnitz nazifrei".

Nach verschiedenen Redebeiträgen verharrten die Teilnehmer acht Minuten und 46 Sekunden in stillem Gedenken, viele legten oder knieten sich dazu auf den Boden.

Die symbolische Zeit - acht Minuten und 46 Sekunden - stand für den Zeitraum, in dem ein Polizist am 25. Mai in Minneapolis (Minnesota, USA)
auf dem Hals von George Floyd kniete. Der schwarze US-Amerikaner erstickte dabei und starb wenig später.

Danach setzte sich die ursprünglich stationäre Kundgebung in Bewegung, zog auch an der Polizeidirektion in der Hartmannstraße vorbei, wie die Polizei auf Anfrage bestätigte.

Gegen 16 Uhr löste sich die Spontandemo am Konkordiapark auf. Nach ersten Informationen gab es keine Sachbeschädigungen oder Verletzte.

Das Bündnis "Chemnitz nazifrei" hatte für 14 Uhr am Roten Turm zu einer Demonstration aufgerufen.
Das Bündnis "Chemnitz nazifrei" hatte für 14 Uhr am Roten Turm zu einer Demonstration aufgerufen.  © Harry Haertel
Demonstranten halten Schilder in die Höhe, die deutlich gegen Rassismus und Homophobie Stellung beziehen.
Demonstranten halten Schilder in die Höhe, die deutlich gegen Rassismus und Homophobie Stellung beziehen.  © Harry Haertel
"Kein Platz für Rassismus" steht in großer Schrift auf einem Banner geschrieben.
"Kein Platz für Rassismus" steht in großer Schrift auf einem Banner geschrieben.  © Harry Haertel

Seit dem Tod von George Floyd finden in den USA immer wieder Proteste statt, die auch gewaltsame Aufstände und Plünderungen zur Folge hatten.

Update 18.35 Uhr:

Wie die Polizei am Abend mitteilte, setzte sich gegen 15.30 Uhr eine Gruppe von mehrerern hundert Demo-Teilnehmern vom Roten Turm/Am Wall in Richtung Theaterstraße in Bewegung.

"Dort wuchs die Zahl der Teilnehmer auf rund 1.500 an. Die weiteren Personen hatten sich offensichtlich gezielt dem Aufzug angeschlossen", so Polizeisprecherin Jana Ulbricht.

Danach lief die Gruppe zur Polizeidirektion in der Hartmannstraße.

Es drohte eine Eskalation.

Ulbricht: "Da nicht auszuschließen war, dass die Gruppierung in das Gebäude
gelangen will, mussten zwischenzeitlich angeforderte Unterstützungskräfte der sächsischen Bereitschaftspolizei den Zugang sichern. Ein weiteres Vordringen der Personen ins Gebäude konnte unterbunden werden."

Die Demonstranten skandierten daraufhin für etwa eine halbe Stunde Parolen und Sprechchöre vor dem Polizeigebäude.

Danach liefen sie in Richtung Limbacher Straße, die Gruppe löste sich gegen 16 Uhr am Konkordiapark auf.

Die Polizei hat wegen dem Verstoß gegen das Versammlungsgesetz sowie anderen möglichen Straftaten Ermittlungen aufgenommen.

Ursprünglich war eine stationäre Kundgebung mit 50 Teilnehmern am Roten Turm unter dem Motto „#blacklivesmatter - Fight Racism“ angemeldet.

Titelfoto: Harry Haertel

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