Chemnitzer Kriegskinder bewahren ihre Erinnerung für die Generation von heute

Chemnitz - Heute vor 75 Jahren zerstörte ein Bombenhagel das alte Chemnitz. Ein besonderes Filmprojekt hält die Erinnerungen der Chemnitzer fest, die diese Nacht als Kinder miterlebt haben. Es ist ihr Vermächtnis an die junge Generation dieser Stadt.

Karl Keller (84) zeigt Conny Hartmann (40) und dem Filmteam Chemnitz Fotos aus den Kriegsjahren.
Karl Keller (84) zeigt Conny Hartmann (40) und dem Filmteam Chemnitz Fotos aus den Kriegsjahren.  © Igor Pastierovic

Conny Hartmann (40) interviewte die Kriegskinder gemeinsam mit dem Filmteam Chemnitz im Auftrag der Stadt. "Es waren sehr emotionale, berührende Gespräche. Einige hatten noch nie vorher im Leben über das Trauma dieser Stunden gesprochen", sagt die Radiomoderatorin.

Entstanden sind acht rund 20-minütige Filme. Darin erinnert sich Gisela Altendorf (85) an die Worte ihres Vaters, die sich ihr ins Gedächtnis brannten: "Unser Haus steht nicht mehr!" Helga Polzer (84) erzählt, wie sie nach dem Angriff aus den Gewölbekellern am Kaßberg nach draußen gelangte: "27 Leute waren im vorderen Teil erstickt, weil die Luft knapp wurde. An denen mussten wir vorbei." 

Sigrid Klemm (77) lässt die Erinnerung nicht los, als eine Explosion eine Wand, an der sie saß, eindrückte: "Ich bin geflogen." Karl Keller (83) hat noch den "blutroten Himmel" und die "Christbäume" vor Augen.

Die Filme werden heute, 15 und 17 Uhr im Stadtverordnetensaal im Rathaus gezeigt. Anschließend gibt es die Möglichkeit, mit den Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Die Filme sind auch auf YouTube abrufbar. Links dazu gibt es unter: www.chemnitz.de 

Die Berichte und Bilder sind außerdem in der Broschüre "Die letzten Zeugen" zusammengefasst, die es kostenlos im Rathaus gibt.

Nach einem Aufruf von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (58, SPD) meldeten sich in den vergangenen Wochen noch rund 200 weitere Zeitzeugen. Auch ihre Erinnerungen sollen für die Nachwelt bewahrt werden.

Friedenstag: So gedenkt Chemnitz heute der Opfer

Am Mahnmal im Park der Opfer des Faschismus sprach OB Barbara Ludwig (58) vor einem Jahr zur obligatorischen Kranzniederlegung.
Am Mahnmal im Park der Opfer des Faschismus sprach OB Barbara Ludwig (58) vor einem Jahr zur obligatorischen Kranzniederlegung.  © Haertelpress/Harry Härtel

Heute, 9 Uhr, legt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig einen Kranz auf dem städtischen Friedhof nieder. 

Auf dem Neumarkt können Chemnitzer ab 11 Uhr ihre Friedenswünsche am Friedenskreuz hinterlassen. 

17 Uhr starten am Stadlerplatz und an vier Kirchen (Kaßbergstraße 30, Theaterplatz, Körnerplatz, Hohe Straße 1) die Friedenswege zum Neumarkt. 

20 Uhr beginnt in der Stadtkirche St. Jakobi ein Friedensgottesdienst. 

18 bis 21 Uhr erinnert eine Gedenkveranstaltung auf dem Neumarkt, die von Musikern, Schauspielern und Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde gestaltet wird, an die Zerstörung der Stadt.

Gisela Altendorf (86) verbrachte die Bombennacht in unterirdischen Lagerräumen der Firma Esche in der Goethestraße.
Gisela Altendorf (86) verbrachte die Bombennacht in unterirdischen Lagerräumen der Firma Esche in der Goethestraße.  © Igor Pastierovic
Lisbeth Scheinert (91) kann die Schreie der Verschütteten nicht vergessen. 
Lisbeth Scheinert (91) kann die Schreie der Verschütteten nicht vergessen.  © Igor Pastierovic
Optik 04A
Chemnitz im März 1945. Zwei Frauen blicken vom Dach des Kaufhauses Schocken auf ihre zerstörte Stadt. 
Optik 04A Chemnitz im März 1945. Zwei Frauen blicken vom Dach des Kaufhauses Schocken auf ihre zerstörte Stadt.  © Repro: Peter Zschage

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