Viel Wirbel um ein Wasserrohr! Größte Evakuierung der Nachkriegs-Geschichte abgeblasen

Chemnitz - Unerwartete Sonntagsruhe in Chemnitz: Nachdem sich 22.000 Bewohner wegen eines möglichen Bombenfunds in der Jakobstraße auf eine Groß-Evakuierung vorbereitet hatten, blies die Stadt die Räumung von Sonnenberg und Zentrum um Punkt 6.02 Uhr wieder ab - unter der Erde lag nur eine alte Wasserleitung (TAG24 berichtete).

Ein Irrtum der alle freut: Die mögliche Fliegerbombe entpuppte sich als alte Wasserleitung.
Ein Irrtum der alle freut: Die mögliche Fliegerbombe entpuppte sich als alte Wasserleitung.  © Haertelpress

Um 3 Uhr setzte über der Baustelle der Regen ein. Gleichzeitig begann ein Baggerfahrer nach dem verdächtigen Gegenstand zu graben. Der war nach Magnetfeldmessungen auf dem Baufeld für eine neue Grundschule in vier Meter Tiefe entdeckt worden.

Während das Technische Hilfswerk die immer tiefere Grube mit zwei 600-Watt-Strahlern ausleuchtete, packte Susan Einhorn (41) vom Hochbauamt Kaffee, Knacker und Käsespieße aus ihrem Auto: "Ich muss doch dafür sorgen, dass alle gut arbeiten."

Einen Kaffee nahm Baubürgermeister Michael Stötzer (47, Grüne): "Wenn es sich um eine Bombe handeln sollte, gehe ich zur zentralen Anlaufstelle für Evakuierte im Stadion." Musste er nicht. Zusammen mit Kämmerer Sven Schulze (48, SPD) überzeugte Stötzer sich um 6 Uhr davon, dass der verdächtige Gegenstand nur ein altes Wasserrohr ist.

In sozialen Medien und auf der Homepage gab die Stadt Entwarnung, sorgte auch dafür, dass die 1000 Helfer in den Notunterkünften wie Terra Nova Campus, TU-Mensa oder Sportforum nach Hause gehen konnten.

Zwischen 3 und 6 Uhr legte ein Bagger den verdächtigen Metallgegenstand frei.
Zwischen 3 und 6 Uhr legte ein Bagger den verdächtigen Metallgegenstand frei.  © Haertelpress
Experten schauten während der Grabung immer wieder gespannt ins Loch.
Experten schauten während der Grabung immer wieder gespannt ins Loch.  © Haertelpress
Am Sonnabend brachten Helfer bettlägerige Senioren vorsorglich ins Klinikum - hier aus der Seniorenresidenz "Am Kirschhof".
Am Sonnabend brachten Helfer bettlägerige Senioren vorsorglich ins Klinikum - hier aus der Seniorenresidenz "Am Kirschhof".  © Haertelpress
Das Wasserrohr aus Vorkriegszeiten war in keinem offiziellen Plan verzeichnet.
Das Wasserrohr aus Vorkriegszeiten war in keinem offiziellen Plan verzeichnet.  © Haertelpress

Sven Schulze zeigte sich am Sonnenberg erleichtert über den guten Ausgang. Stadtrat Toni Rotter (33, CfA) merkte auf Twitter fröhlich an: "Sonntags mal ausnahmsweise früh aufstehen, um so was zu lesen." 

Titelfoto: Haertelpress

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