Größte Evakuierung seit dem Krieg: So bereitet sich Chemnitz auf den Ernstfall vor

Chemnitz - Chemnitz steht die größte Evakuierung seit Ende des Zweiten Weltkriegs bevor! Stadt, Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen sind in höchster Alarmbereitschaft. Entpuppt sich der Fund in der Jakobstraße am Sonntagmorgen tatsächlich als Bombe, müssen 22.000 Chemnitzer ihre Häuser verlassen (TAG24 berichtete). TAG24 erklärt, wie sich die zahlreichen Helfer jetzt auf dieses Szenario vorbereiten.

Blick über den Sonnenberg. Ein großes Gebiet des Stadtteils wäre von der Evakuierung betroffen.
Blick über den Sonnenberg. Ein großes Gebiet des Stadtteils wäre von der Evakuierung betroffen.  © Uwe Meinhold

Die Stadt informiert seit Donnerstag mit Handzetteln über die geplanten Maßnahmen. Unter anderem verteilt Stadtteilmanager René Bzdok (32) auf dem Sonnenberg die Flyer.

Er glaubt nicht, dass im Fall der Fälle alle widerstandslos ihr Haus verlassen werden. "Manche sagen, sie wollen sich nicht von ihren Tieren trennen." Hund, Katz und Maus sind nämlich in den 13 vorgesehenen Ausweichquartieren (meist Turnhallen) verboten.

Handelt es sich tatsächlich um eine Bombenfund, werden Mitarbeiter der Stadt und Polizei am Sonntag ab 8 Uhr genau prüfen, ob jeder seine Wohnung verlässt. 

Wenn jemand nicht öffnet, wird entschieden, ob die Tür aufgebrochen wird. Auch das Technische Hilfswerk ist im Ernstfall mit 50 Helfern bei der Evakuierung beteiligt, bringt im Evakuierungsradius die Absperrungen an. 

Update 11.45 Uhr: 

Bei einer eventuellen Evakuierung: Was muss ich mitnehmen?

  • Medikamente, Brille, Hörgeräte, Hygieneartikel
  • Personalausweis, Krankenversicherungskarte und andere wichtige Dokumente
  • Geld, EC-Karte
  • Essen und Trinken für mehrere Stunden
  • Mobiltelefon und Ladekabel bzw. Powerbank (bitte beachtet, dass ihr das Mobiltelefon in den Ausweichquartieren nicht aufladen könnt)
  • Für den Zeitvertreib z. B. Bücher, Zeitschriften, Spiele, Radio mit Kopfhörern
  • Für Kinder: Kuscheltier, Spielzeug, Bücher und eventuell Wickelsachen und Babynahrung
Wie hinterlasse ich meine Wohnung?
  • Alle Fenster schließen
  • Licht und elektronische Geräte ausschalten
  • Kerzen löschen
  • Ofen ausmachen und Wasser abdrehen
  • Wohnungstür zuschließen

Hier findet ihr Informationen in verschiedenen Sprachen: https://bit.ly/37lMhf8

Jürgen Scherf (60), Sprecher des Polizeiverwaltungsamts, hält eine Bombenentschärfung am Wochenende nicht für ausgeschlossen.
Jürgen Scherf (60), Sprecher des Polizeiverwaltungsamts, hält eine Bombenentschärfung am Wochenende nicht für ausgeschlossen.  © Frank Schmidt
Auf der Dresdner Straße sind bereits Umleitungsschilder zu sehen.
Auf der Dresdner Straße sind bereits Umleitungsschilder zu sehen.  © Sven Gleisberg
Auf dieser Baustelle in der Jakobstraße wird bis Sonntag ein verdächtiges Objekt freigelegt - ist es eine Bombe, wird evakuiert.
Auf dieser Baustelle in der Jakobstraße wird bis Sonntag ein verdächtiges Objekt freigelegt - ist es eine Bombe, wird evakuiert.  © Ralph Kunz
Stadtteilmanager René Bzdok (32) verteilt Info-Zettel zu den geplanten Maßnahmen auf dem Sonnenberg.
Stadtteilmanager René Bzdok (32) verteilt Info-Zettel zu den geplanten Maßnahmen auf dem Sonnenberg.  © Uwe Meinhold
Sven Hoppe (46) vom Technischen Hilfswerk zeigt den Führungskraftwagen, der als mobile Einsatzstelle dienen könnte.
Sven Hoppe (46) vom Technischen Hilfswerk zeigt den Führungskraftwagen, der als mobile Einsatzstelle dienen könnte.  © Kristin Schmidt

"Außerdem stellen wir einen Führungskraftwagen, der als mobile Leitstelle dient", sagt Sven Hoppe (46), Leiter der Regionalstelle Chemnitz. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist einsatzbereit: "Sollte es sich um eine Bombe handeln und nicht möglich sein, den Zünder zu entfernen, könnte es eine Sprengung geben", sagt Jürgen Scherf (60), Sprecher des zuständigen Polizeiverwaltungsamts in Dresden.

Bis Sonntag bestehe keine Gefahr. "Die Baustelle ist mit einem Zaun gesichert. Da die Bombe vier Meter unter der Erde liegt, kann nichts passieren", sagt Stadtsprecher Matthias Nowak (51).

Titelfoto: Uwe Meinhold, Sven Gleisberg

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