Aufsichtsrat uneins: Kraftwerk-Entscheidung braucht Zeit und Rat

Chemnitz - Eins Energie möchte ab 2021 ein Holzheizkraftwerk im Ortsteil Siegmar bauen. Die Westsächsische Hochschule (WHZ) verriss diesen Plan - zu umweltschädlich (TAG24 berichtete). Jetzt müssen die fünf Chemnitzer Vertreter im Aufsichtsrat der Eins über das Kraftwerk entscheiden. Und sie sind sich nicht einig.

Hier soll bald ein Schornstein qualmen: Eins Energie möchte ein Holzheizkraftwerk in der Mauersbergerstraße bauen.
Hier soll bald ein Schornstein qualmen: Eins Energie möchte ein Holzheizkraftwerk in der Mauersbergerstraße bauen.  © Sven Gleisberg

Pro Kraftwerk ist Hans-Joachim Siegel (77, Linke): "Ich bezweifle die negativen Aussagen der WHZ." Dagegen ist Sven Schulze (48, SPD) "überrascht" von der Studie und will sich bei der Eins neu informieren.

Tino Fritzsche (57, CDU) setzt auf eine Debatte zwischen Eins und WHZ. Er gehe davon aus, "dass das Unternehmen die Studie ernst nimmt" und nicht gegen die Interessen der Bevölkerung agiere. Steffen Wegert (63) von der AfD sieht die WHZ-Skizze als "ganz neue Gedanken". Er wolle vor einer Entscheidung weiteren Expertenrat einholen.

Contra Kraftwerk ist Stadtrat Bernhard Herrmann (54, Grüne): "Wir können es uns nicht leisten, ineffiziente Biomasse zu verschwenden. Durch den massiven Holzeinschlag ergeben sich gravierende Auswirkungen auf die Natur, und die Emissionen sind nicht hinnehmbar." 

Herrmann kritisiert auch die Taktik: "Das Unternehmen verdoppelte die geplante Holzmenge gegenüber den Angaben im Stadtrat beim Kauf des Grundstücks. Da komme ich mir gelinkt vor."

Hans-Joachim Siegel (77, Linke) bezweifelt die negativen Aussagen der Wissenschaftlerinnen.
Hans-Joachim Siegel (77, Linke) bezweifelt die negativen Aussagen der Wissenschaftlerinnen.  © Uwe Meinhold
Tino Fritzsche (57, CDU) setzt auf einen Dialog zwischen Eins und WHZ.
Tino Fritzsche (57, CDU) setzt auf einen Dialog zwischen Eins und WHZ.  © Kristin Schmidt

Für Fernwärme: Eins Energie kauft neue Grundstücke

Dieses Grundstück an der Karl-Immermann-Straße verkauft die Stadt an Eins Energie. Strom-Trafo-Häuschen und Fernwärmeleitungen sind in Betrieb.
Dieses Grundstück an der Karl-Immermann-Straße verkauft die Stadt an Eins Energie. Strom-Trafo-Häuschen und Fernwärmeleitungen sind in Betrieb.  © Kristin Schmidt

Chemnitz verkauft neun Flurstücke mit Fernwärme-Stationen und -Leitungen an den Energieversorger Eins. Dafür musste ein Vergleich her, denn Stadt und Eins Energie waren sich uneins bei Eigentum und eventuell anfallenden Abrisskosten für Anlagen, die vor 1990 erbaut wurden.

Für den Vergleich wühlte sich die Kanzlei Luther in Leipzig durch historische Unterlagen und Stadtratsbeschlüsse der frühen 1990er-Jahre. 

Trotzdem wurde das Eigentumsverhältnis nicht final geklärt. Fest steht, dass Eins Energie 155.000 Euro für 6480 Quadratmeter Fläche hinlegt und künftige Abrisskosten auf diesen Neuerwerbungen trägt. 

Der Strom- und Erdgasanbieter schätzt die Abrisskosten auf fünf verbleibenden städtischen Flurstücken und einem Flurstück in Markersdorf auf 1,12 Millionen Euro. 

Nach Fördermittelabzug zahlen Eins Energie und Stadt jeweils noch 380.000 Euro.

Titelfoto: Sven Gleisberg/Uwe Meinhold/Kristin Schmidt

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