Rettung des Sachsenrings nach der Wende: Wie aus einem Straßenkurs die Grand-Prix-Strecke wurde

Chemnitz/Hoehenstein-E. - Vor 30 Jahren stand der Sachsenring vor dem größten Scheideweg seit seiner Gründung im Jahr 1927. Nach dem Mauerfall war der Straßenkurs völlig überaltet, ihm drohte das Aus. Erst der Bau eines Verkehrssicherheitszentrums führte die Rennstrecke zu alter Stärke zurück. Das Fahrzeugmuseum Chemnitz arbeitet jetzt die wilde Zeit auf.
Wolfgang Paternoga (69) begleitete den Neustart des Sachsenrings nach der Wende.
Wolfgang Paternoga (69) begleitete den Neustart des Sachsenrings nach der Wende.  © Ralph Kunz

Nach der Wende geriet der Motorsport am Sachsenring in weite Ferne. Internationale und westdeutsche Maschinen waren schneller und moderner. 

Plötzlich schien die 8,7 Kilometer lange Rennstrecke verstaubt und untauglich. 

"Es gab keine Sturzzonen, kein Kiesbett, keine Leitplanken. Ein Sicherheitskonzept fehlte", erinnert sich Wolfgang Paternoga (69), damaliger Amtsleiter der Wirtschaftsförderung im Landkreis Hohenstein-Ernstthal. Drei tödliche Unfälle kratzten 1990 zusätzlich am Image.

Fans wollten den Motorsport unbedingt zurück in die Region holen. Der Bau eines Motodroms scheiterte 1992. 

"Wir brachten ein Verkehrssicherheitszentrum ins Spiel. Damit wollten wir ein multifunktionales Konzept verwirklichen. Doch niemand glaubte an den Erfolg." 1995 wurde die Anlage nach etlichen Bau-Hürden eröffnet (Kosten: 10 Millionen DM). 

"Sicherlich gab es Rennen, die 100.000 Euro minus gemacht haben."

Interessierte können die Dokumentation über den Sachsenring als CD für 7,90 Euro erwerben.
Interessierte können die Dokumentation über den Sachsenring als CD für 7,90 Euro erwerben.  © Ralph Kunz

Schon im ersten Jahr schrieb der "neue" Sachsenring schwarze Zahlen. "Im Nachhinein war dieser Umweg ein Glücksfall", so Paternoga, der ab 1994 das Zentrum leitete. Damit war der Weg für viele erfolgreiche Jahre geebnet.

"Sicherlich gab es Rennen, die 100.000 Euro minus gemacht haben. Man muss aber die Wertschöpfung über die Jahre hinaus betrachten. Für die Region hat die Strecke enorme Bedeutung."

Über die Wiederbelebung des Sachsenrings nach der Wende hat das Museum für sächsische Fahrzeuge Chemnitz eine Dokumentation veröffentlicht. 

Der "alte" Sachsenring führte durch Teile des Hohenstein-Ernstthaler Stadtgebiets.
Der "alte" Sachsenring führte durch Teile des Hohenstein-Ernstthaler Stadtgebiets.  © Ralph Kunz
Zu sehen gibt's den Film auf dem YouTube-Kanal des Museums und einer CD, die für 7,90 Euro im Museumsshop erworben werden kann.

Titelfoto: Ralph Kunz

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