Chemnitzer Grenzen sind mit Steinen markiert, aber nicht in Stein gemeißelt

Chemnitz - Alles hat seine Grenzen - auch Chemnitz. Die Stadt kommt auf 18 Nachbargemeinden, rund 5000 Grenzsteine markieren das Ende des Stadtgebiets. Auch Gebietsausgleiche mit den Nachbarn finden statt - bei einem der letzten verlor die Stadt auch eine Legende.

Urgemarkung: Auf dem Beutenberg am östlichen Stadtrand ist die ursprüngliche Chemnitzer Grenze noch erhalten.
Urgemarkung: Auf dem Beutenberg am östlichen Stadtrand ist die ursprüngliche Chemnitzer Grenze noch erhalten.  © Ralph Kunz

2018 trat Chemnitz 29.935 Quadratmeter vom südlichsten Stadtteil Klaffenbach ab. Hintergrund: Ein Sportplatz der Nachbargemeinde Burkhardtsdorf lag zur Hälfte auf Chemnitzer Gemarkung.

Der damalige Burkhardtsdorfer Bürgermeister regte eine Grenzänderung an - der Zipfel ging an die erzgebirgische Gemeinde.

Doch damit verlor Chemnitz auch einen wichtigen Promi, der unweit des Sportplatzes sein Grundstück hat: Christoph Franke (76).

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"Wir wohnen seit 1974 hier, die Klaffenbacher Adresse hieß 'Am Birkenhain'. Durch die Neugliederung änderte sich zum Beispiel der Straßenname", erklärt der ehemalige Fußballtrainer, der den CFC 1999 in die zweite Liga führte, danach zu Dynamo Dresden wechselte und 2008 wiederkam.

Mit Frankes Rückkehr gelang den damals schwächelnden "Himmelblauen" der Regionalliga-Aufstieg und Sachsenpokal-Gewinn.

Stadtgebiet schrumpfte bei Flurbereinigung 2019 um fast 24.000 Quadratmeter

Ortsausgangsschilder können auch mal wandern: In den letzten Jahren veränderte sich die Größe des Chemnitzer Stadtgebietes.
Ortsausgangsschilder können auch mal wandern: In den letzten Jahren veränderte sich die Größe des Chemnitzer Stadtgebietes.  © Ralph Kunz

Eine weitere Flurbereinigung geschah 2019 zwischen dem Stadtteil Ebersdorf und dem angrenzenden Lichtenau. Diesen regte ein örtliches Unternehmen an: 53.276 Quadratmeter Wald- und Agrarflächen gingen an die mittelsächsische Gemeinde, aus Ausgleich erhielt Chemnitz 59.424 Quadratmeter Feld.

Insgesamt schrumpfte das Stadtgebiet durch die letzten Grenzanpassungen aber um 23.787 Quadratmeter (Gesamtfläche Chemnitz: Rund 221.000 000 Quadratmeter oder 221 Quadratkilometer).

"In den amtlichen Flurkarten sind alle Flurstücke eingezeichnet. Sie werden schon seit über 170 Jahren vermessen und dokumentiert. Ihre Zusammenfassung ist bei uns eine Gemarkung. Davon gibt es in der Stadt Chemnitz 38", weiß Vermessungsingenieur Detlef Wuttke (59). Viele Flurstücke sind historisch entstanden und tragen die ursprünglichen Ortsnamen (wie Klaffenbach).

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"Die größte Gemarkung der Stadt ist die 'Urgemarkung' Chemnitz. Also dort, wo die Stadt gegründet wurde. Sie zieht sich vom heutigen Kaßberg über das Stadtzentrum, den Sonnenberg bis zu den Ratssteinbrüchen im Zeisigwald", so Wuttke weiter.

Auch ein Zeichen der Trennung: Die himmelblaue Legende Christoph Franke (76) zeigt auf einen Grenzstein am Rande seines Grundstücks.
Auch ein Zeichen der Trennung: Die himmelblaue Legende Christoph Franke (76) zeigt auf einen Grenzstein am Rande seines Grundstücks.  © Uwe Meinhold
Markant: Grenzsteine kennzeichnen nicht nur Orts-, sondern auch Grundstücksgrenzen.
Markant: Grenzsteine kennzeichnen nicht nur Orts-, sondern auch Grundstücksgrenzen.  © Uwe Meinhold
Grenz-Kenner: Der Chemnitzer Vermessungsingenieur Detlef Wuttke (59) beim Grenzstein-Aufspüren auf dem Beutenberg.
Grenz-Kenner: Der Chemnitzer Vermessungsingenieur Detlef Wuttke (59) beim Grenzstein-Aufspüren auf dem Beutenberg.  © Ralph Kunz

Durch die im Zuge der Industrialisierung rasch wachsende Stadt blieb nur noch eine Übereinstimmung. Wuttke: "Am Beutenberg ist die einzige Stelle, an der der Rand der 'Urgemarkung' gleichzeitig Stadtgrenze ist."

Titelfoto: Ralph Kunz

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