Grünaer laufen Sturm gegen geplantes Alkoholiker-Heim

Chemnitz - Im Ortsteil Grüna brennt die Luft. Seitdem eher zufällig bekannt wurde, dass im ehemaligen Hotel "Grünaer Hof" eine Wohngruppe mit 30 Schwerstalkoholikern einziehen soll, sind die Bürger zornig auf die Stadt.

Karl-Heinz-Thiele (61) wehrt sich gegen ein Wohnprojekt hinter seinem Gartenzaun in Grüna.
Karl-Heinz-Thiele (61) wehrt sich gegen ein Wohnprojekt hinter seinem Gartenzaun in Grüna.  © Maik Börner

Diesen Zorn bekam am Montagabend Sozialbürgermeister Ralph Burghart (49, CDU) auf einer Sitzung des Ortschaftsrates zu spüren.

Die brisante Sitzung begann mit einem Eklat. 100 Bürger wollten im Kulturhaus zuhören. Doch unter Coronabedingungen kamen nur rund 60 in den Saal. Ralph Burghart entschuldigte sich zu Beginn: "Wir haben das Projekt nicht früh genug kommuniziert." 

Ortsvorsteher Lutz Neubert (49, Freie Wählergemeinschaft) hält das für eine Ausrede: "Wir Ortsräte werden seit Jahren nicht gehört."

Die Lage: Anfang 2020 entschied das Sozialamt, die Wohngruppe in Grüna einzurichten. Die Stadt schloss sogar einen Betreibervertrag mit dem Suchtzentrum Leipzig, obwohl noch keine (Um-) Baugenehmigung für den "Grünaer Hof" vorliegt.

Betreiber Holger Herzog versuchte, die Wogen zu glätten, sprach von Alkoholverbot im Haus und Regeln für die Bewohner. Zudem versprach Ralph Burghart eine Schulwegbegleitung für Kinder.

Rund 60 Anwohner und viele Gäste verfolgten die Ortschaftsratssitzung in Grüna. Der Stadtordnungsdienst passte auf.
Rund 60 Anwohner und viele Gäste verfolgten die Ortschaftsratssitzung in Grüna. Der Stadtordnungsdienst passte auf.  © Bernd Rippert

Eine Anwohnerin rief ins Mikrofon: "Ich habe Angst um unsere Kinder!" Anlieger Karl-Heinz Thiele (61) wütete: "Gegen dieses Projekt werde ich mich mit allen Mitteln wehren."

Kleiner Erfolg: Ralph Burghart will mit Ortspolitikern noch einmal den Auswahlprozess diskutieren. "Neue Vorschläge werden wir durchdenken." 

Titelfoto: Bernd Rippert

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