Große Sorgen am Poltermühlenteich: Deich nicht ganz dicht, Amphibien trocknen aus

Chemnitz - Die Kröten, Frösche und Molche am Poltermühlenteich in Grüna gingen vor sieben Jahren als größtes gezähltes Amphibien-Vorkommen Sachsens in die Naturschutz-Statistik ein. Jetzt ist die Zahl der quakenden Hüpfer dramatisch eingebrochen.

Naturschutzhelferin Carola Hilkmann (46) zeigt den unerwünschten Abfluss im Poltermühlenteich.
Naturschutzhelferin Carola Hilkmann (46) zeigt den unerwünschten Abfluss im Poltermühlenteich.  © Maik Börner

Mehr als 10.000 Erdkröten hatten Naturschutzhelfer 2013 im Frühjahr gezählt. Seitdem ging das Vorkommen um mehr als zwei Drittel zurück. Nur 2942 Erdkröten wurden 2019 entdeckt. 

Dieses Jahr gab es keine Zählung. Aber: "Am Teich waren nur wenige Lurche zu beobachten", weiß Naturschutzhelferin Carola Hilkmann (46). Ein Grund für den dramatischen Schwund: Der Deich ist undicht. 

"An drei Stellen fließt das Wasser ab. Der Pegel ist aktuell so weit gesunken, dass wir Laich umsiedeln mussten, damit er nicht vertrocknet."

Das Problem ist bekannt. Die Stadträte Solveig Kempe (39, CDU) und Bernhard Herrmann (54, Grüne) wollten sich bei den Beratungen zum nächsten Haushalt eigentlich für eine Sanierung des Deiches starkmachen. Corona hat den gemeinsamen Kurs verhagelt. 

Solveig Kempe: "Angesichts sinkender Gewerbesteuer-Einnahmen und der Ausgaben durch Corona wird dafür wahrscheinlich kein Geld da sein."

Haufenweise Kröten - so viele Lurche wie in Grüna wurden nirgendwo sonst in Sachsen gezählt.
Haufenweise Kröten - so viele Lurche wie in Grüna wurden nirgendwo sonst in Sachsen gezählt.  © Peter Zschage
Warnschilder sollen die Kröten schützen, leider hopsen immer weniger zum Teich.
Warnschilder sollen die Kröten schützen, leider hopsen immer weniger zum Teich.  © Peter Zschage

Ganz anders sieht das der Grünen-Stadtrat: "Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Das Geld ist gut angelegt. Wenn die Stadt bei der Vergabe öffentlicher Aufträge auf die Bremse tritt, schadet das den hiesigen Baufirmen."

Titelfoto: Maik Börner/Peter Zschage

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