120 Mitarbeiter zittern um ihren Job: Muss der Chemnitzer Kaufhof schließen?

Chemnitz - Was wird aus dem Kaufhof in Chemnitz? Seit Monaten bangen die 120 Mitarbeiter. Diese Woche entscheidet sich, ob das Kaufhaus zu den Filialen gehört, die schließen müssen. Von bis zu 80 Filialen bundesweit war die Rede, zuletzt von mindestens 58. 

Gewerkschaftssekretärin Andrea Busch (55) und Betriebsrätin Silke Arnold (47) kämpfen für den Erhalt der Chemnitzer Kaufhof-Filiale.
Gewerkschaftssekretärin Andrea Busch (55) und Betriebsrätin Silke Arnold (47) kämpfen für den Erhalt der Chemnitzer Kaufhof-Filiale.  © Maik Börner

"Die Beschäftigten stehen unter enormer Anspannung", weiß Verdi-Gewerkschaftssekretärin Andrea Busch (55). "Bis zum 22. Juni muss der Insolvenzplan stehen. Die Entscheidung kann jetzt jeden Tag kommen."

Auch im Rathaus blickt man mit Sorge auf den Einkaufstempel. "Die Oberbürgermeisterin und die Wirtschaftförderung haben sich an die Geschäftsleitung in Essen gewandt, um den Erhalt des Standortes Chemnitz zu erreichen", so eine Stadtsprecherin. 

CWE-Chef Sören Uhle: "Wir haben Gesprächsbereitschaft signalisiert, können aber im Moment wenig tun, weil die Konzernzentrale sich abschottet. Wir stehen bereit und werden alles versuchen, um Kaufhof in Chemnitz zu halten. Er ist das Symbol für den Neustart unserer Innenstadt." 

Das gläserne Kaufhaus ist auch fast zwei Jahrzehnte nach seiner Eröffnung ein architektonisches Highlight in der Innenstadt.
Das gläserne Kaufhaus ist auch fast zwei Jahrzehnte nach seiner Eröffnung ein architektonisches Highlight in der Innenstadt.  © Maik Börner

Schließung hätte drastische Folgen für Chemnitz

Die Eröffnung 2001 wurde mit viel Prominenz gefeiert. Düsseldorfs Oberbürgermeisterin brachte OB Peter Seifert (78, SPD) den Radschläger als Geschenk mit.
Die Eröffnung 2001 wurde mit viel Prominenz gefeiert. Düsseldorfs Oberbürgermeisterin brachte OB Peter Seifert (78, SPD) den Radschläger als Geschenk mit.  © Thomas Kretschel

Das von Star-Architekt Helmut Jahn (80) entworfene gläserne Kaufhaus hatte 2001 als modernstes Warenhaus Europas mit viel Pomp und Prominenz eröffnet, galt als achitektonisches Flagschiff des Metro-Konzerns. Der Mietvertrag soll erst Ende 2019 um mehrere Jahre verlängert worden sein - was den Standort in den Verhandlungen stärken könnte.

Eine Schließung hingegen hätte drastische Folgen: 

"Kaufhof ist einer der wichtigsten Magnetbetriebe fürs Stadtzentrum. Untersuchungen zeigen, dass zwei von drei Menschen in die Innenstadt gehen, um einzukaufen. Wenn Kaufhof mit seinen 20.000 Quadratmetern schließt, ist fast ein Drittel der gesamten Verkaufsfläche in der Innenstadt weg", weiß IHK-Handelsexperte Bert Rothe (49). 

Titelfoto: Maik Börner

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